Montag, 1. Juli 2024

Job Description: Volksschul-Mama

Mit der Volksschule verhält es sich bei mir ein bisschen so wie mit meinen Kindern: Ich liebe sie, aber manchmal treiben sie mich an den Rand des Wahnsinns. Man muss ja sagen: zum Glück ist mir der erste Teil in Bezug auf die Bildungseinrichtung überhaupt bewusst geworden, denn vor dem Lockdown war meine emotionale Bindung zur Schule ungefähr so stark wie zu einer Packung Tiefkühlerbsen. Aber siehe da: Nur ein paar Wochen mit einem Erstklässler T, R und L lernen, lustige Dosenfiguren basteln und Rechenplättchen legen – und schon war ich nahezu verliebt in das Konzept Schule! 

Also wie gesagt: grundsätzlich Schule – mega, Lehrerinnen und Lehrer – mega, Werk- und Bastelaufgaben außerhalb meiner eigenen vier Wände – mega. Aber so ziemlich jede Mama mit Volksschulkind wird mir zumindest hinter vorgehaltener Hand zustimmen, dass die Schule einem manchmal den letzten Nerv raubt. 

Denn obwohl es eigentlich dein Kind ist, dass die Schule besucht (und nicht du) bist es du (und nicht dein Kind), die sich deswegen die Haare rauft. Und ja, bevor ich hier den emanzipierten Papas auf die Zehen trete: Ich seid mitgemeint. Aber wirklich nur, wenn ihr in der Früh dann nicht trotzdem eure Frau fragt „Schaaatz, die Sachen für dieses Ausflugs-Dingbums heute hast du eh schon hergerichtet, oder?“.

 

Denn beizeiten ist der Schulbesuch eines Kindes für Mütter sowas wie ein eigener Teilzeitjob. Was natürlich besonders lustig ist, wenn man eigentlich schon einen eigenen Teil- (oder Voll-)zeit Job hat! Und dabei rede ich jetzt noch nicht mal von dem normalen Wahnsinn unter dem Jahr. Von der Hausübung, die man dem Nachwuchs mit Blut, Schweiß und Fernsehverbotsdrohungen aus den kleinen Hirnen presst. Von der „Gesunden Jause“, die man jedes Semester für alle anderen Kinder der Klasse zubereiten muss und deswegen um 06.30 Uhr morgens vor der Arbeit noch lustige Paprika-Gesichter legt. Oder von den 3.738 verlorenen Bleistiften, Handschuhen, Patschen und Linealen, die man wie ein trottelhafter Schreibwaren-Sisyphus immer und immer wieder nachkauft. 

Wovon ich spreche, sind die gefürchteten letzten beiden Wochen vor den Sommerferien (wahlweise auch vor den Weihnachtsferien). Genau dann, wenn in deinem „echten“ Job sämtliche Kunden gleichzeitig auf die Idee kommen, alle wichtigen Projekte noch abzuschließen, bevor Helga aus der Buchhaltung auf Urlaub geht, werden auch in der Schule die Daumenschrauben kräftig angezogen.

Ironischerweise passiert das, damit deine Kinder in den 14 Tagen vor Ferien nicht mehr so viel Stress haben. Den hast dafür dann nämlich du. Kurz vor Ferienbeginn trudeln die Elternbriefe mit Ankündigungen jeder Art ein. Und auch wenn du diese verfluchst: Eigentlich gehörst du zu den Glücklichen, wenn du diese überhaupt bekommst.

Denn ich möchte hier keine Namen nennen, aber MANCHE Kinder neigen dazu, wichtige Termine, Infozettel und Aufgaben nicht gerade mit viel zeitlichem Spielraum zu Hause abzugeben. Sprich: abends um halb 10 fällt deinen Liebling siedend heiß ein, dass er morgen für die Schule UNBEDINGT noch ein weißes T-Shirt/ein leeres Marmeladeglas/ein Presspanplatte braucht. Und nachdem du als engagierte Supermom natürlich nicht willst, dass dein jetzt schon schluchzendes Kind das EINZIGE ist, das morgen nicht mitbasteln/turnen/malen kann (was es nicht ist, weil alle anderen Kinder auch vergessen haben, rechtzeitig zu Hause Bescheid zu geben), versuchst du noch alle Hebel in Bewegung zu setzen und das Unmögliche möglich zu machen. Nachbarn werden aus dem Bett geläutet, Amazon-Prime-Eillieferung getätigt und die Kellerbestände des Hauses nach Bastelutensilien durchforstet. 

Vielleicht sollte ich solche Momente einfach als schöne Familienzeit sehen. Schließlich waren wir das letzte Mal alle gemeinsam mit Feuereifer bei der Sache, als mein Jüngerer 15 Minuten vor Schlafenszeit verkündete, dass er am nächsten Tag vier leere Klopapierrollen brauchen würde. Wickel, wickel, wickel – was haben wir dabei gelacht!

Hat man gleich zwei Kinder in der Volkschule, potenziert sich das Ganze auf höchst nicht lustige Weise. Manchmal kommt man sich dabei vor wie in einem Computerspiel. Morgen braucht Kind 1 keine Schultasche, dafür Badesachen/5 blaue Blätter in DIN A3/eine Küchenwaage und Kind 2 keine Jause/dafür eine Schultasche/eine Becherlupe. Dass davon dann wieder nur die Hälfte wieder nach Hause kommt und du in den nächsten Wochen deine Kuchenzutaten mit der Pi-mal-Daumen-Methode abwiegen wirst, sei hier nur nebenbei erwähnt. Dafür kommen jeden Tag große Taschen an Schulbüchern, Turnsackerln, Malschachteln und wunderschönen Kunstwerken nach Hause, bei denen du keine Ahnung hast, wohin damit.

Obwohl das mit der Küchenwaage insofern doch nicht ganz nebensächlich ist, weil du in den zwei Wochen mit Sicherheit zumindest für ein Schulbuffet eingeteilt sein wirst. ABC-Fest, Abschlussfest, Schlag-mich-tot-Fest – all diese wunderbaren Festivitäten wollen nämlich von fleißigen Mamas kulinarisch bestückt werden. Ehrensache, dass du das nach deinem „echten“ Job noch mit bester Laune in Angriff nimmst und dich dafür mit den anderen Mamas in der Schul-WhatsApp-Gruppe fröhlich abstimmst. Das hat den Vorteil, dass du dich gleichzeitig mit der Frage, wer denn jetzt Nudelsalat und Pokemon-Muffins mitbringt, auch gleich dazu koordinieren kannst, welches Abschiedsgeschenk ihr welchem Lehrer und welcher Hort-Betreuerin kauft und wer es noch besorgen kann (kleiner Spoiler: du)!

Und habe ich schon erwähnt, dass für den Museumsbesuch, den Ausflug ins Freibad und den Wandertag jeweils noch motivierte Mamis als Begleitung gesucht werden – denn sonst kann der Ausflug leider nicht stattfinden und das willst du doch nicht, oder?!

Also bäckst und bastelst und organisierts und dekorierst und Amazon-Prime-bestellst du in den letzten zwei Wochen vor den Ferien wie die eierlegende Wollmilchsaumama. Aber wer weiß, vielleicht hast du ja Glück und dein Kind kommt heute Abend noch drauf, dass es morgen in der Schule unbedingt drei leere Prosecco-Flaschen braucht …




Dienstag, 22. Februar 2022

5 Dinge, die nur Eltern besitzen


Es gibt ja so einige Dinge, die man sich gar nicht vorstellen kann, bevor man Kinder bekommt. Unter anderem liegt das daran, dass man von diesen Dingen vorher noch nie gehört hat – und das aus gutem Grund. Hätte mich prä-Kind jemand gefragt, was ein Vaporisator oder ein Buggyboard sind, hätte ich diese Dinge zum Beispiel wahrscheinlich thematisch eher dem Raumschiff Enterprise zugeordnet.


Wie sagt man so schön: Man lernt nie aus. Manchmal überrascht es mich aber trotzdem noch, welche Dinge ich auf einmal besitze, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Zum Beispiel die folgenden fünf …


Ding 1: Einen Nasenstaubsauger

Noch heute gebe ich ungern zu, dass ich mir dieses Ding von unserem Kinderarzt habe aufschwatzen lassen. Aber wer noch nie mit einem betonverschnupften Baby gemeinsam die Nacht durchgeweint hat, möge den ersten Stein werfen!

Die Verzweiflung war groß und ja, ich wollte einfach, dass das Elend ein Ende hat. Und als mir der geschulte Mediziner den professionellen Nasenstaubsauger empfahl, ergriff ich diesen Strohhalm bzw. diese Saugdüse.

Als ich mir zu Hause die Bedienungsanleitung durchlas, kamen mir erste Zweifel an der Sache und ich befahl meinem Mann, lieber die Jalousien herunterzulassen. Und das war auch gut so, denn sonst hätten die Nachbarn höchstwahrscheinlich das Jugendamt gerufen.

Wer jetzt nicht googeln möchte, dem sei so viel verraten: Der Nasenstaubsauer ist genau das, wonach er klingt. Man steckt ein kleines Nubsidingens auf den Staubsauger, mit dem man normalerweise die Flusen unter der Couch hervorsaugt und steckt das Ganze dem Kind ins Nasenloch, aus dem es daraufhin die Rotzraketen herauszuzelt. Bis heute kann ich meinem Kinderarzt nicht verzeihen, dass er mir auch noch weisgemacht hat, seinen Kindern würde das Spaß machen, denn sagen wir so: Meine fanden es … nicht ganz so witzig.


Ding 2: Einen Lauskamm

Wieder so ein Ding, das ich eigentlich lieber gar nicht kennen würde. Aber glaubt mir: Sobald euer Kind in den Kindergarten geht, werdet ihr es öfter in die Hand nehmen, als euch lieb ist. Denn kaum sind 20 Kinder für ein paar Tage auf einem Haufen, begrüßt einen an der Tür der Kindergartengruppe unweigerlich das Schreckgespenst einer jeden Mutter: der Zettel (Horrorfilmmusik bitte selbst vorstellen!).

Wahlweise wird darauf der neueste Ausbruch von Windpocken, Hand-Mund-Fuß, Magendarm oder eben Läusen verkündet. Oft beschleicht einen das Gefühl, eine Seuchenstation sei ein Lercherlschas gegen den durchschnittlichen Gemeindekindergarten.

Und neben Durchfallsafterl und Nureflex hat die moderne Mutter von heute für solche Fälle eben auch einen Lauskamm daheim, mit dem man die holden Locken des Nachwuchses auf eklige Nissen durchkämmen kann. Danach noch einen großzügigen Schuss Laus-Shampoo für die gesamte Familie und schon ist man bereit für den nächsten Zettel!

 


 


Ding 3: Ein tragbares Klo

Zugegeben, dieses Ding besitze ich nicht selbst, ich entdeckte es nur kürzlich bei Freunden. Vielleicht gab es das noch gar nicht, als meine Jungs an ihrem Windelabschied arbeiteten, oder es ist schlicht an mir vorübergegangen. Jedenfalls staunte ich nicht schlecht, als sich der vermeintliche Puppenkoffer, den unsere Freunde beim letzten Outdoor-Treffen dabeihatten, als tragbares Mini-Klo zum Aufklappen entpuppte.

Ich war gleichermaßen fasziniert und angeekelt von der Idee. Einerseits: Das Kind nicht mehr schwebend für zehn Minuten über das versiffte öffentliche Klo halten – top! Andererseits: Das Köfferchen samt weiß Gott welchem Inhalt für den restlichen Spielplatzbesuch mit mir herumtragen: einfach nein.

Für meine Jungs hätte ich so ein Teil wahrscheinlich damals also eher nicht gekauft. Für ein Festival wäre es aber eventuell eine gar nicht so schlechte Idee …!


Ding 4: Eine Heißklebepistole

Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Ich hasse basteln. Deswegen hätte ich mir auch nie träumen lassen, dass sich in meinem Haushalt einmal mehr Bastelutensilien finden würden als Schere und Tixo. Dann bekam ich Kinder.

Im Kindergartenalter schob ich das Basteln noch an die Omas ab und mogelte mich so ganz gut durch. Doch dann kam mein Großer in die Schule, beziehungsweise viel schlimmer: Er kam – danke und Bussi, liebes Corona! – nach zwei Monaten als stolzer Erstklässler ins Home Schooling.

Und als wären Silbenklatschen und Plusrechnen nicht schon schlimm genug, gab es im Distance Learning eben auch Werken. Wer jemals versucht hat, einem lustigen Dosen-Weihnachtsmann seinen Rauschebart mit Uhu-Stick anzukleben, weiß: Dieses Projekt ist zum Scheitern verurteilt.

Deswegen landete nach wöchentlich missglückten Bastelwerken samt heulendem Kind ein Ding in meinem Amazon-Einkaufskorb, um das ich bisher immer einen großen Bogen gemacht hatte: eine Heißklebepistole. Diese klebt vom Rauschebart bis zum Osterhasenpuschel wirklich alles einwandfrei, sie hat nur einen großen Nachteil: Weil ich das Ding im wahrsten Sinne des Wortes für brandgefährlich halte, lasse ich es mein Kind nicht benützen. Und wer ist deshalb im Distance Learning weiter der Bastelkasperl? Genau: ich.

 


 


Ding 5: Eine Mama-Handtasche

Vor den Kindern war ich der Typ "Geldtascherl, Handy, passt scho." Mit kleinen Kindern war ich der Typ "Wickeltasche und passt scho." Jetzt, mit zwei etwas größeren Kindern, bin ich der Typ "Handtasche so groß wie Kleinwagen".

Eigentlich kann man mittlerweile gar nicht mehr von einer "Hand"tasche sprechen, vielmehr brauche ich mittlerweile eine Himalaya-Bergexpeditions-Tasche, damit ich alles unterbringe, was man braucht, um mit Kind auch nur fünf Minuten das Haus zu verlassen.

Trinkflasche? Check. Müsliriegel? Check. Taschentücher? Check. Pflaster? Check. Sonnnencreme? Check. Notfall-Gummibärli? Check. 45 Plastiksackerl zum Sammeln von Steinen, Zweigen und Kastanien? Check. Was ich dabei regelmäßig vergesse, sind leider mein Geldtascherl und mein Handy ...

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Die stillste Zeit des Jahres? Nicht als Mama ...

Man sagt ja, die Weihnachtszeit sei die stillste Zeit des Jahres. Ich sage: Mit zwei Kindern unter acht ist das Wort "still" generell ein dehnbarer Begriff. In der Adventzeit trifft er bei uns aber sicher noch weniger zu als zu jeder anderen Jahreszeit.

Wahrscheinlich mache ich einfach irgendwas falsch und es wäre in Wahrheit ganz einfach, dass wir alle vier zwischen Jahresabschlussstress und Geschenke-Shopping harmonisch Weihnachtslieder trällernd durch den Schnee hüpfen – aber unsere Vorweihnachtszeit gleicht meistens eher einer besonders ATV-tauglichen Folge von "Instagram vs. Reality".




Im Advent sieht es bei uns nämlich etwa so aus …
 

1. Die Weihnachtsstimmung
 

Meine Vorstellung:

Pünktlich mit dem 1. Dezember verwandelt sich unser Haushalt in einen Hafen der Harmonie und Besinnlichkeit. Ganz im Zeichen der Nächstenliebe wird weder um das letzte Stück Lebkuchen noch über die Form des Frühstückstoasts gestritten und wir verbringen unsere Freizeit gemütlich zuhause im Schein des Adventkranzes damit, als Familie lustige Brettspiele zu spielen.


Die Realität:

Wir verbringen im Schein des Nachtlichts unsere Freizeit damit, abwechselnd am Bett eines kranken Kindes zu wachen und motzen uns gegenseitig an, wer vergessen hat, die aufgebrauchten Taschentücher nachzukaufen.

Da die Kinder zwischen Krampuslauf, Kinderpunsch und Adventfeier wie auf einem einzigen, 24 Tage langen Festival sind, wechseln sie minütlich zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Statt Nächstenliebe zieht der Kleine den Großen an den Haaren, der Große sperrt den Kleinen aus dem Zimmer aus, Mama pflaumt Papa an, weil der den Müll noch nicht hinausgetragen hat und Papa würde sich am liebsten die restlichen 23 Tage im Keller einsperren.
 

2. Die Weihnachtsdekoration
 

Meine Vorstellung:

Festlich geschmückt mit Tannenzweigen, Kerzen und stilvollen Deko-Elementen sieht unser Haus aus wie frisch aus der Weihnachtsedition von "Schöner Wohnen". Durch den Duft des selbst gebundenen Adventkranzes und die Freude über die zuckersüßen, von den Kindern gebastelten Weihnachtsaccessoires stellt sich weiter oben vermisste Weihnachtsstimmung von ganz alleine ein.
 

Die Realität:

Warum ich mich dieser Vorstellung jedes Jahr aufs Neue hingebe, ist mir selbst ein Rätsel. Jeder, der mich kennt, weiß: Ich bin komplett talentbefreit, wenn es ums Basteln geht. Mehr noch: Ich hasse Basteln – und habe diesen unschönen Charakterzug zumindest teilweise auch an meine Kinder vererbt.

Deswegen ist es auch vollkommen utopisch, dass ich selber einen Adventkranz binde (der wird fünf Minuten vor Ladenschluss bei Billa gekauft) oder das Haus mit etwas anderem als mit einer leicht angedepschten Mandarine und ein paar Erdnüssen in der Obstschale auf Weihnachtsmodus trimme.

Bei meinem einzigen Versuch, gemeinsam mit den Kindern eine Art "Weihnachtsstrauch" zu dekorieren, war ich nach zehn Minuten damit beschäftigt, die Scherben der überteuerten Mini-Weihnachtskugeln mit dem Handstaubsauger aufzusaugen, die den Jungs beim ersten Versuch, sie auf einen krummen Ast zu pfriemeln, aus den Händen gerutscht waren.

Du ahnst es vielleicht bereits: Auch der Adventkalender wird in unserem Haus nicht (mehr) selbst gebastelt. Das Jahr, in dem ich in Weihnachtsidylle verklärt zweimal 24 Säckchen mit liebevoll ausgesuchten Kleinigkeiten (die mich zusammengenommen etwa fünfmal so viel gekostet haben wie zwei gekaufte Adventkalender) befüllt habe, nur um dann zu erleben, wie dem undankbaren Nachwuchs die süße Weihnachtsfigur in Säcken Nummer sieben zu "uncool" war, hat mich zu der Überzeugung geführt, dass ein gekaufter Playmobil-Adventkalender mich wahrscheinlich auch nicht zu einer schlechteren Mutter macht.

Selbst gebastelt ist bei uns wenigstens der Wunchzettel ans Christkind. Teilweise werden schon im August mit Feuereifer Spielzeugkataloge durchforstet und mit Leuchtstift unterstrichen,um dem lieben Christkind ja klar zu machen, dass man sich dieses Jahr eine Lego-Special-Edition um 2.300 Euro wünscht.

Dass das bereits im August geschieht, ist insofern praktisch, weil beide Omas spätestens im September voller Panik anrufen und – während du in der Arbeit in einer wichtigen Besprechung sitzt – genau JETZT wissen müssen, was die Kinder sich dieses Jahr zu Weihnachten wünschen. Immerhin haben sie gelesen, dass es dieses Jahr Lieferengpässe bei den Containern aus China gibt!

Den Fehler, die Weihnachtsgeschenke tatsächlich bereits vor dem Dezember zu besorgen, habe ich genau ein Mal gemacht. Zugegeben, die gefühlten zehn Minuten, in denen ich mir wie eine top-organisierte Supermum vorkam und allen sagen konnte "Ach, Weihnachtsgeschenke? Die hab ich alle schon besorgt!" waren ein Triumph. Weniger triumphiert habe ich, als mein Großer mir drei Tage danach eröffnete: "Mama, gute Nachrichten – ich wünsch mir jetzt doch was gaaanz was anderes vom Christkind!"

 




3. Kekse backen
 

Meine Vorstellung:

Mit beschwingter Weihnachtsmusik im Hintergrund und lustigen Mützen am Kopf kneten, formen und bestreuen wir Kekse, die wir beim nächsten harmonischen Familien-Adventfrühstück gemeinsam verzehren werden. Sie sind nicht nur köstlich, gesund und nachhaltig, sondern werden die gesammelte Pinterest-Gemeinde in weihnachtlicher Ehrfurcht erstarren lassen.


Die Realität:

Wer jemals die Vorstellung in die Welt gesetzt hat, dass Keksebacken mit kleinen Kindern romantisch und entspannt sei, den möchte ich herzlich zu einem Backnachmittag mit meinen zwei Jungs einladen – aber bitte bei sich zu Hause!

Seien wir doch mal ehrlich: Backen mit Kindern ist die Hölle. Innerhalb von zehn Minuten haben sich Küche, Vorraum und jeder im Umkreis von 20 Metern anschließende Raum in ein Schlachtfeld aus Mehl, Teigresten und Zuckerperlen verwandelt. Nachdem die blöden Keksausstecher wie jedes Jahr nicht ordentlich funktionieren, motzen die Kinder nach fünf Minuten, dass sie viel lieber verzieren als ausstechen möchten.

Während du noch verzweifelt versuchst, mehr Teig auszurollen, stopfen sich deine Kinder die Hälfte davon gleich selbst in den Mund und verteilen währenddessen schon mal bunte Schokostreusel, Perlen und Nüsse gleichmäßig über den Boden und das Ceranfeld.

Die eigentlichen Weihnachtskekse wirst du also allein um 23:00 Uhr backen, wenn die Kinder im Bett sind. Wenn du willst, kannst du dabei aber gerne eine lustige Mütze tragen und beschwingte Weihnachtsmusik hören!



Ich bin mir sicher, dass viele Weihnachtsprofi-Mamas jetzt abfällig den Kopf schütteln werden. Und ganz ehrlich: Ich bewundere euch, dass ihr das alles so auf die Reihe bekommt, wie ich das in meinen kühnsten Adventträumen gerne hätte. Aber es gibt bestimmt auch einige Mamas, die sich grad fluchend den Keksteig aus den Haaren klauben und sich denken: Ich bin nicht allein!

Und das Schöne daran ist ja: Egal, auf welcher Seite von "Instagram vs. Reality" eure Adventzeit mit Kind steht – wenn an Heiligabend der Christbaum strahlt, alle bei "O Tannenbaum" schief mitsingen und die Kinderleins vor Freude auf- und abhüpfen, ist Weihnachten trotzdem immer irgendwie perfekt.

Dienstag, 9. November 2021

Warum Notlügen vielleicht nicht immer die beste Idee sind

Ich geb's zu: In vielen Dingen bin ich beratungsresistent. Ich mag es nicht, wenn man mir sagt, wie ich etwas zu tun habe und denke oft, dass ich es schon selber besser weiß – auch wenn das bei Weitem nicht immer stimmt.

Wenn es um meine Kinder geht, bin ich zumindest ein kleines bisschen weniger stur. Vor allem in Phasen der Verzweiflung linse ich manchmal verstohlen zu den anderen Supermamas hinüber und schaue, wie die das denn alles so machen.

Ganz schnell landet man in solchen Phasen auch bei pädagogisch wertvollen Internetforen und Selbsthilfebüchern. Dass die weisen Tipps dieser Art nicht immer etwas für mich sind, stellte ich bereits fest, als mein Großer mit zwei Jahren den Höhepunkt der Trotzphase erreicht hatte und mir regelmäßig auf der Straße, im Supermarkt und auf dem Küchenboden ein ausuferndes Drama in drei Akten präsentierte.

Genau zu dieser Zeit empfahl mir eine andere Mama das "Wutmonster". Man solle dem Kind in solchen Phasen erklären, dass das Wutmonster im Bauch einfach gerade überhandgenommen hat und man es jetzt gemeinsam in den Keller sperren wird.

Voller Motivation probierte ich diese Erziehungsweisheit beim nächsten Wutausbruch meines Zweijährigen aus, der auch nicht lange auf sich warten ließ. Das Ergebnis: Das Kind lief hysterisch weinend durch das Haus und krallte sich dabei panisch an seinem Bauch fest, weil es da kein Monster drin haben wollte. Erziehungsversuch: Fail.

Nachdem sich das verstörte Kind endlich beruhigt und ich ihm versichert hatte, dass nicht gleich ein Alien aus seinem Bauchnabel hüpfen würde, war endlich wieder Ruhe. So lange, bis der Knirps mit geweiteten Augen meinen schwangeren Bauch anstarrte und wieder zu brüllen begann, dass bei der Mama das Wutmonster schon so riesig sei, dass es sicher gleich rausplatzen und uns alle fressen würde …

Nachdem das Wort "Wutmonster" ab da bei uns tunlichst vermieden wurde und aus Mamas Bauch wenig später auch kein Monster, sondern ein kleiner Bruder kam, konnte wenigstens dieses Trauma erfolgreich abgewendet werden.

Ein Erziehungstipp, an dem ich dagegen heute noch arbeite, ist der, dass man seine Kinder nicht mit Lügen, Drohungen und Bestechungen erziehen soll. Grundsätzlich leuchtet mir das durchaus ein. Nur: In der Praxis ist dieser Vorsatz halt leider oft schwer umzusetzen.

Oder habt ihr etwa noch nie versucht, eure Kindergartenkinder mit einer klitzekleinen Notlüge zu überzeugen? Ihnen ganz ehrlich noch nie gesagt, dass der Spielplatz gerade "leider zu hat" oder der münzenfressende Spielzeugbagger im Zoo partout heute "kaputt ist"? Dann ziehe ich meinen nicht vorhandenen Hut vor euch!

Ich kann euch allerdings sagen, dass sich diese "Erziehungsform" ohnehin schnell aufhört, wenn die Kleinen lesen lernen. Gerade noch verkündet man ihnen an einem kalten Regentag voller Überzeugung, dass das Eisgeschäft heute leider Gottes geschlossen hat und man da gar nichts machen kann, schon kommt es vom stolzen Erstklässler: "Mama, da steht aber 'geöffnet'!" Verdammt.

Auch mit dem Droh- und Bestechungssystem gerate ich regelmäßig an meine Grenzen. Versteht mich nicht falsch, ich finde das ja selbst ganz schrecklich, wenn ich meinem Kind verspreche, dass es ein extragroßes Sackerl Gummibärli bekommt, wenn es bei der Trauung der besten Freundin in der Kirche nur noch FÜNF MINUTEN stillsitzt. Oder ihm androhe, dass es heute sicher kein Fernsehen mehr gibt, wenn jetzt nicht augenblicklich die Hausübung erledigt wird. Meinen persönlichen Tiefpunkt hatte ich in der Hinsicht, als ich mich an einem besonders schlimmen Tag tatsächlich selbst sagen hörte, dass ich jetzt dann gleich "das Christkind anrufen und ihm sagen würde, dass es die ganzen Geschenke doch nicht bringen soll", wenn meine Jungs nicht sofort damit aufhörten, wie Irre durchs Haus zu wüten ...

Abgesehen davon, dass man sich bei den ewigen Drohungen eher jämmerlich und hilflos vorkommt als pädagogisch wertvoll, kann diese Form der Erziehung auch ganz schnell nach hinten losgehen. Es werfe derjenige den ersten Stein, der sich nicht schon mal im Nachhinein grün und blau geärgert hat, dass er die Drohung mit dem Fernsehverbot tatsächlich durchgezogen hat. Denn eigentlich wolltest du in den 20 Minuten, die die Kinder sonst hätten fernsehen dürfen, doch in Ruhe das Abendessen kochen, oder nicht?

Abgesehen davon ist das Drohsystem mit einigen Kindern einfach zum Scheitern verurteilt. Vorhang auf für meinen jüngeren Sohn! Zu Weihnachten hatte der damals Dreijährige vom Christkind (das ich dann doch nicht angerufen hatte) einen supertollen knallroten Lego-Koffer bekommen. Der Inhalt desselbigen lag einige Tage später trotz mehrmaliger Aufforderung zum Aufräumen immer noch quer über den Wohnzimmerboden verstreut.

Also griff ich wieder mal zu einer Drohung: "Wenn du den Koffer nicht zusammenräumst, dann schmeiß ich ihn weg!" Antwort Sohn: "Ok." Jetzt stand ich also da und musste meinen Worten Taten folgen lassen. Verzweifelt versuchte ich es noch mit "Aber der ist dann wirklich weg, gell!" und "Ich würde mir schon überlegen, ob ich den jetzt nicht noch schnell aufräume, wir können ja zusammenhelfen!" … alles ohne Erfolg.

Also packte ich den Koffer selbst zusammen und ließ ihn demonstrativ in den Sack mit dem Plastikmüll plumpsen (was mein Sohn mit einem lässigen Schulterzucken quittierte und einem Gesichtsausdruck, den man vielleicht als "Ach, was soll man machen, die materiellen Dinge im Leben werden sowieso überbewertet" hätte deuten können.)

Bis zum Schlafengehen änderte sich auch nichts an seinem Fatalismus. Keine Tränen, kein "Oh Mama, du hattest Recht, es tut mir so leid!", offenbar kein zweiter Gedanke an seinen nagelneuen Lego-Koffer.

Na gut, dachte ich mir – morgen wird er seinen Fehler schon bereuen. Nachdem mein Sohn im Bett war, holte ich zwischen leeren Joghurtbechern und Erdbeerschälchen den Koffer wieder aus dem Plastikmüll und stellte ihn in den Abstellraum – griffbereit für seinen großen Auftritt, wenn ich endlich sagen könnte: "Na gut, weil du dich jetzt so entschuldigt hast und ich so eine nette Mama bin, kannst du diesen superduper Lego-Koffer, für den ich übrigens 70 Euro bezahlt habe, jetzt doch wieder haben."

Nur leider trat dieser Moment auch am nächsten Tag nicht ein. Selbst nach subtilen Hinweisen meinerseits wie "Also wenn du heute wirklich brav bist, könnte ich ja schauen, ob ich den Koffer nochmal aus der Mülltonne holen kann" oder "Willst du denn heute nicht wieder so toll Lego bauen?" blieb mein Dreijähriger pragmatisch: "Ach nein, den hast du ja sowieso weggeschmissen, Mama." Tja.

Selbst eine Woche später blieb er felsenfest bei seiner Meinung – und ich kam mir jeden Tag lächerlicher vor bei den Versuchen, ihm den teuer erworbenen Koffer wieder anzudrehen. Etwa zwei Wochen später gab einer von uns auf – und es war nicht der Dreijährige. Beschämt und zähneknirschend holte ich den Koffer aus dem Abstellraum und erklärte meinem Sohn, dass ich ihn unter größter Gefahr extra für ihn in Siggerwiesen aus der Müllpresse geholt hätte, weil ich ihn so lieb habe (meinen Sohn, nicht den Legokoffer). Er sah mich an, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank, nahm würdevoll seinen Koffer entgegen und baute ohne weitere Verzögerung eine Lego-Feuerwehrstation.

Seitdem überlege ich mir zweimal, ob ich meinen Kindern drohe. Außerdem bin ich zu einer Einsicht gelangt, die ich vielleicht mal in meinem eigenen Erziehungsratgeber groß präsentieren werde: Kindererziehung kommt nicht aus Ratgeberbüchern – die Kinder erziehen einen schon selbst.

Freitag, 16. April 2021

Mama ist auch nur ein Mensch

Als Kind habe ich mich im Fasching am liebsten als Katze verkleidet. Manchmal auch als Marienkäfer oder als Prinzessin. Was ich nie sein wollte: Superman. Auch nicht Batman, Wonder Woman oder Spiderman. Kurz gesagt: Ich wollte nie ein Superheld sein.

Vielleicht fällt es mir auch deshalb so schwer, mich heute in diese Rolle einzufinden. Denn meine Kinder gehen ganz offensichtlich davon aus, dass ich, wenn schon keine Eier legende Wollmilchsau, dann zumindest Supergirl bin. Allzeit bereit, den Unterdrückten (meinen Jungs) beizustehen und ihnen zu jeder Tages- und Nachtzeit milde lächelnd durch sämtliche Krisen zu helfen (dass zum Beispiel die Gummibärli leer sind).

Versteht mich nicht falsch: Es ist schön, gebraucht zu werden. Es ist toll, dass meine geliebten Kinder von mir (noch) denken, ich könnte nicht nur das Gummibärli-Problem, sondern auch gleich Corona und den Klimawandel eigenhändig in der Mittagspause aus der Welt schaffen.

Nur, leider: Supermom I am not. Ich bin weit entfernt vom Superhelden-Dasein. Ich bin leider ganz und gar menschlich. Ich habe weder Superkräfte, noch acht Arme (Gott, wäre das oft praktisch!), noch kann ich mich vierteilen – und leider auch nicht Corona heilen. Stattdessen habe ich wie jeder Mensch meine Schwächen und Fehler, bin manchmal (ok, oft) schlecht gelaunt, genervt, müde …

Die Frage ist: Darf man das als Mama? Einerseits bin ich der Meinung, dass meine Jungs lernen sollen, dass Mama und Papa auch mal Fehler machen und auch nicht immer gut drauf sind. Andererseits habe ich sofort wieder ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie wegen einer Kleinigkeit ankeife, nur weil ich müde und grantig bin.

In Wahrheit möchte man für die Kinder ja die Supermama sein, die immer lacht, Zeit zum Spielen hat und jedes Problem mit Humor nimmt. Und ehrlich, ich gebe jeden Tag mein Bestes, um das für meine Jungs zu sein. Aber jeden Tag aufs Neue stoße ich dabei auch wieder an meine Grenzen.

Oft braucht es dazu noch nicht mal ein Problem. An manchen Tagen reicht mir schon die reine "Rufbereitschaft". Wie so viele Familien verbringen wir seit mehr als einem Jahr sehr viel Zeit zu Hause – mehr als uns oft lieb ist. Home Schooling, Quarantäne, Vorsichtsmaßnahmen – seit Corona hocken wir gefühlt aufeinander wie die Hennen in der Legebatterie. Zeit für sich selbst bleibt da denkbar wenig. Und in Kombination mit der Kunst der absoluten Vereinnahmung, die kleine Kinder so an sich haben, wird Supermom das einfach oft zu viel.

Dabei sind meine Jungs gar nicht mehr so klein, dass sie mir bis aufs Klo nachrennen und dort enthusiastisch jeden Vorgang kommentieren. Sie sind aber nach wie vor der Meinung, dass Mama keiner ihrer wichtigen Gedanken, die sie an einem langen Tag so haben, entgehen sollte. Und das sind sehr viele! Mama, schau mal, ich hab meinem Playmobil-Manderl eine neue Frisur aufgesetzt! Mama, schau mal, was ich für eine lustige Grimasse schneiden kann! Mama, ich hab Hunger! Mama, mir ist faaad! Mama, Maaamma …! Müsste ich für jedes "Mama!" am Tag ein Stamperl Nussschnaps trinken, hätte ich an manchen Tagen schon zu Mittag eine schwere Alkoholvergiftung.

Ich schau mir ja auch wirklich gerne ihre Grimassen an. Und ihre Playmobil-Manderl. Und ich liefere Snacks in einer Frequenz wie im Running-Sushi-Restaurant. Aber irgendwann will ich auch mal einfach fünf Minuten meine heilige Ruhe!

Dieses Konzept konnte ich meinen Jungs leider bisher allerdings nur unzureichend vermitteln. Kennt ihr das, wenn ihr nur EINEN Schluck eures Kaffees in Ruhe trinken wollt, damit ihr morgens vom kompletten Zombie zum halbwegs menschlichen Wesen werdet? Bevor eure Lippen aber auch nur einmal den Tassenrand berühren, müsst ihr im Akkord Butterbrote streichen, den Inhalt umgefallener Gläser aufwischen, runtergefallene Semmeln aufheben und tieffliegenden Marmeladegeschoßen ausweichen?

Oder wenn ihr euch abends nur zehn Minuten in die Badewanne legen wollt, weil jetzt der Papa übernehmen kann? Und während ihr euch noch denkt: "Das ist der Himmel auf Erden, wer braucht schon ein Thermenwochenende?", wird schon die Tür aufgerissen und zwei halbnackte Kinder arschbomben mit dem Kampfschrei "Toll, Mama, du liegst ja in der Badewanne, da kommen wir auch rein!" zu dir ins Schaumbad.

In solchen Situationen platzt mir an schlechten Tagen leider regelmäßig der Kragen. Und während ich noch explodiere und die lieben Kleinen anbrülle, dass Mama jetzt FÜNF MINUTEN IHRE RUHE BRAUCHT, sehe ich schon, wie ich ihnen wieder mal erfolgreich das eben noch breite Grinsen aus dem Gesicht gewischt habe und die Unterlippe zu zittern beginnt. Bravo, Supermom, toll gemacht!

In solchen Situationen nehme ich mir immer vor, es am nächsten Tag besser zu machen. Auch bei dem 642. "Maaaama!" des Tages noch ein offenes Ohr zu haben. Nicht auszuflippen, weil sie eben gern in meiner Nähe sein und ihre Gedanken mit mir teilen wollen (auch wenn die sich nur um Lego-Dinos und Pfurzkissen drehen).

So richtig geklappt hat das bis jetzt noch nicht. Denn leider ist Mama eben auch nur ein Mensch. Oder vielleicht doch ein Superheld? Der unglaubliche Hulk würde mir da noch einfallen, der sich regelmäßig so aufregt, dass er grün anläuft …

Donnerstag, 11. Februar 2021

Willkommen in der Schule (des Lebens): Erstklässler in Zeiten von Corona

Juhu, Semesterferien! Zeugnis, Freunde treffen, Ausflüge machen, ausschlafen! Oder auch nicht. Die ersten Semesterferien meines Großen haben wir uns alle anders vorgestellt. Genauso wie sein gesamtes erstes Schuljahr. Gut, das mit dem Ausschlafen ginge theoretisch immer noch – aber sagen wir so: Mein Sohn hat gern so viel wie möglich vom Tag.

Vom restlichen Ferienprogramm ist in Zeiten der Pandemie leider nicht viel geblieben. Stimmt ja, eigentlich wäre momentan gar kein harter Lockdown! Aber irgendwie fühlt sich Nicht-Lockdown momentan verdächtig gleich wie Lockdown an. Und Ferien wie (Heim-)Schule. Und Sonntag wie Dienstag.

So sitzen wir nach gefühlten 100 Jahren Home Schooling also auch in den Salzburger Semesterferien großteils zu Hause und spielen zur Abwechslung mal ein Brettspiel. Weil das haben wir im letzten Jahr nämlich überhaupt noch nie gemacht!

Ich will jetzt gar nicht über den Sinn oder Unsinn der Schulschließungen diskutieren. Ob man das alles hätte anders regeln können. Und auch nicht darüber, wie lange die Schulen nach Ende der Ferien wohl offenbleiben werden.

Eigentlich will ich nur jemanden anbrüllen und abwatschen. Neeein, es braucht keiner das Jugendamt zu rufen, natürlich nicht mein Kind! Auch nicht den Basti oder den Rudi oder irgendeinen schlauen Virologen. Am liebsten wäre mir derjenige, der uns den ganzen Corona-Mist eingebrockt hat. Da es aber nicht danach aussieht, als würden sie die schuldige Fledermaus demnächst in Handschellen abführen und weil ich diese dann aus Tierschutzgründen sowieso nicht verhauen wollen würde, muss ich mich wohl inzwischen mit einem Boxsack zufrieden geben (den ich mir jetzt gar nicht mehr online beim Kaufhaus Österreich kaufen kann, oje).

Fest steht jedenfalls: Ich bin sauer. Und zwar so richtig. Eine-Woche-Hausarrest-und-auch-kein-Fernsehen-sauer. Denn was mein Kind da gerade als erstes Schuljahr erlebt, ist ja wohl der schlechteste Witz aller Zeiten!

Als mein Ältester im Frühjahr 2020 seine Schulreifefeststellung hatte, war die Welt noch vergleichsweise in Ordnung. Sicher, auch damals gab es schon vereinzelte Witze, ob wir ihm statt einer Schultasche für den Herbst nicht lieber einen guten Drucker kaufen sollten. Aber so richtig geglaubt hat damals noch keiner (oder zumindest ich nicht), dass im Herbst nicht alles wieder normaler sein würde.

Das ganze Jahr über habe ich meinem Kind erzählt, wie toll und aufregend es werden würde, wenn es endlich in die Schule kommt. Wie viele coole Sachen er mit seiner Klasse unternehmen würde! Wäre ich er, würde ich mir mittlerweile ganz schön verarscht vorkommen.

Denn was dann kam, war weder toll, noch aufregend oder cool. Bereits am ersten Schultag war offensichtlich, dass dieses Jahr alles andere als normal werden würde. Oder hättet ihr euch gedacht, dass ihr mal überlegen würdet, ob ihr eurem Taferlklassler statt Gummibärli und Filzstiften lieber eine Maske (und zwar keine Ninja-Turtles-Faschingsmaske) und ein Flascherl Sagrotan in die Schultüte packt?!

Und ja, vielleicht war es für mein Kind gar nicht so schlimm, dass es an seinem ersten Tag ohne elterliche Eskorte, dafür mit coolem Echsen-MNS ins Schulgebäude stapfen musste. Aber ich kann euch sagen, das Mamaherz blutet, wenn ihr euren Nachwuchs an seinem großen Tag nicht begleiten dürft, nicht sein Klassenzimmer, seinen Sitznachbarn oder auch nur seine Lehrerin aus der Nähe sehen könnt. Kurz habe ich überlegt, ob ich mir an der Fensterscheibe die Nase plattdrücken soll, um ihm zu winken, aber dann habe ich eingesehen, dass ich meinem Kind noch oft genug im Leben peinlich sein werde.

Die ersten Wochen in der Schule waren wahnsinnig aufregend und wahnsinnig desillusionierend zugleich. Die erste Hausübung! Die erste große Pause (aber nur getrennt von den anderen Kindern)! Die erste Musikstunde (aber nur mit MNS!)! Das erste Mal Turnen (aber nur im Freien)! Die erste Lesenacht, der erste Wandertag, der erste Zirkus-Workshop – abgesagt, abgesagt, abgesagt! Stattdessen: Hände waschen, lüften, desinfizieren, Abstand halten, Maske tragen …

Trotz allem war mein Sohn Feuer und Flamme und freute sich jeden Tag auf die Schule – bis es nach wenigen Wochen hieß: Klappe zu, Affe tot bzw. Schule zu, Motivation tot. Das Damoklesschwert Distance Learning hatte uns also doch noch erwischt.

Und wie gesagt, über die Notwendigkeit will ich gar nicht streiten. Ich will mich noch nicht mal darüber beschweren, wie Home Schooling funktionieren soll, wenn man daneben ein Kindergartenkind und einen Beruf hat. Und ich will auch keine moralische Diskussion darüber vom Zaun brechen, wer sein Kind wann in die Notbetreuung bringen hätte dürfen, sollen oder müssen.

Aber was ich sagen will ist: Home Schooling ist kein adäquater Ersatz für die echte Schule! Schon gar nicht, wenn man als Erstklässler nach ein paar Wochen noch nicht einmal genau weiß, was Schule eigentlich heißt.

Ich habe mich wirklich nach Kräften bemüht, das Distance Learning für meinen Sohn so sinnvoll und lustig zu gestalten, wie es eben geht. Aber ganz ehrlich: Habt ihr schon mal versucht, einem Sechsjährigen, der heute einfach keinen Bock hat, auf lustige Weise das Minusrechnen beizubringen oder mit ihm einen knuffigen T-Tiger zum Lernen der Buchstaben zu basteln?!

Es gibt einen guten Grund dafür, dass ich keine Lehrerin geworden bin – weil ich dafür einfach nicht geeignet bin! Ich weiß nicht, wie man einem Kind die Uhr so erklärt, dass es auch ankommt. Ich habe keine Ahnung, wie man das Zerlegen des 10er-Zahlen-Hauses zum Partyspaß macht. Und ich verliere auch mal die Nerven, wenn das Kind in 20 Minuten genau EIN Wort geschrieben hat, weil es abwechselnd aus dem Fenster schauen, seine Stifte sortieren, Brösel vom Tisch aufpicken oder in der Nase bohren muss. Ich verstehe den kleinen Jungen sehr gut, der gemeint hat, er freut sich schon wieder auf die Schule, weil da "keine böse Frau mehr neben ihm sitzt". Und ich finde, dass jeder Volkschullehrerin, die das im Normalfall jeden Tag mal 20 hat, ein Friedensnobelpreis gebührt!

Und trotzdem habe ich mit meinem Kind nach bestem Wissen und Gewissen gelesen, geschrieben und gerechnet. Ich habe mit ihm Kastanien zusammengezählt, Schneemänner gemalt, Ansagen angesagt, Clowns gebastelt und Kinderyoga gemacht (Okay, stimmt nicht, das habe ich geschwänzt. Tschuldige, Frau Lehrerin!).

Auch mein Kind hat in dieser Zeit sein Bestes gegeben. Er hat gelernt, wie viel 8 minus 4 ist, wie man ein kleines „f“ schreibt und dass man die Mama vor dem ersten Kaffee nur bedingt zum Silbenbögenklatschen motivieren kann. Eigentlich hätte er in seinem ersten Schulhalbjahr aber meiner Meinung nach auch ganz andere Dinge lernen müssen.

Wie man neue Freunde findet. Welche Spiele in der Pause am meisten Spaß machen. Wie man am besten unentdeckt mit dem Banknachbarn ratscht. Wie man auf Schulausflügen seine Jause mit den anderen teilt. Wie man etwas von einer Erwachsenen lernt, die nicht auch gleichzeitig die eigenen Unterhosen wäscht.

Diese vielen kleinen und großen Dinge, der erste Schultag, der erste Zeugnistag, die ersten Ferien, der erste Schulfasching – das alles sind erste Male, die man nicht nachholen kann. Stattdessen gibt's das erste Mal Nasenbohrer-Test oder das erste Mal Quarantäne. Und jeden Tag genervte Mamas und Papas, die an ihrer Rolle als Neo-Lehrer verzweifeln. Das macht mich traurig und wütend, weil ich ihm und allen anderen Erstklässlern etwas anderes gewünscht hätte.

Nicht nur den Erstklässlern, auch den Maturanten, die eigentlich ihre neue Freiheit ausleben und nicht zu Hause sitzen wollten. Den 16-Jährigen, die auf ihr erstes Festival fahren wollten. Den 11-Jährigen, die in der höheren Schule ihre neuen Klassenkameraden noch kaum zu Gesicht bekommen haben. Die 8-Jährigen, die diesen ganzen Mist schon das zweite Jahr mitmachen. Sie alle tun mir leid – und alle Eltern (und Lehrer) gleich dazu.

Ich hoffe, dass es das alles rückblickend wert gewesen sein wird. Dass unsere Kinder trotzdem stark, glücklich und gescheit durchs Leben gehen werden. Und dass ich nach diesem Jahr nie wieder einen lustigen Kleinbuchstaben aus Glitzerpapier basteln muss.

Freitag, 23. Oktober 2020

Life with boys – Was du als Jungs-Mama wissen solltest

Man sagt ja, Männer sind vom Mars und Frauen von der Venus. Wenn das so ist, dann sind kleine Jungs wohl vom Planeten Pampelplupp. Nach sechs Jahren mit zwei kleinen Burschen kann ich sagen: Sie sind mir nach wie vor ein Rätsel. Jeden Tag aufs Neue bringen sie mich zum Staunen. Zum Wundern. Zum Haareraufen. Zum Ausflippen. Und natürlich mehr als alles andere: zum Lachen. Denn bevor hier jemand weiterliest und die „Undankbare Mutter“-Keule schwingt: Ich liebe die beiden über alles. 


Und trotzdem – und ich sag’s ganz ehrlich: Manchmal treiben sie mich schlicht und einfach in den Wahnsinn. Wahrscheinlich ist es selektive Wahrnehmung, dass mir in solchen Phasen die Mädels meiner Freundinnen immer viel braver vorkommen. Ebendiese Freundinnen haben mir zwar glaubhaft versichert, dass dem nicht (immer) so ist, aber was ich dann sehe, ist Folgendes: Mädels, die stundenlang dasitzen und Glitzerpickerl kleben, während meine beiden mit Indianergebrüll um den Tisch galoppieren. Mädels, die hingebungsvoll ihre Puppen frisieren, während meine Jungs daneben Hauspatschen-Weitwerfen spielen.


Es gibt bestimmt auch Jungs, die ruhiger sind. Und Mädels, die wilder sind. Aber im vollkommen subjektiven, nicht wissenschaftlich gesicherten Auswahlverfahren möchte ich euch trotzdem meine „Top 10“ über das Leben mit kleinen Jungs präsentieren. Für alle Jungs-Mamas und solche, die es vielleicht bald sind oder noch werden wollen: Ich finde, ihr solltet Folgendes wissen.

1.    Für Jungs ist die ganze Welt ein Abenteuerspielplatz
Du siehst einen Vorhang? Deine Jungs sehen eine Liane! Du siehst einen Couchtisch? Deine Jungs sehen ein Sprungbrett! Das Lebensmotto von kleinen Jungs ist „Höher, schneller, weiter“, immer und in jeder Situation. Ganz gleich, ob sie sich gerade im Turnsaal oder in der Milchprodukte-Abteilung eures Supermarkts befinden.

Manchmal komme ich mir zu Hause wie in meiner eigenen Live-Version von „Takeshi’s Castle“ vor. Was manchmal ja ganz lustig ist, oft aber auch ganz schön nervenaufreibend. Denn obwohl Jungs im Geiste aller Superhelden sind, sind sie im Fleische dann leider doch nur kleine Menschlein, die der Schwerkraft unterliegen. Deshalb fallen Jungs. Vom Fahrrad. Vom Baum. Vom Sessel und vom Couchtisch. Du wirst bis zum sechsten Geburtstag deines Kleinen gefühlte 3.000 aufgeschlagene Knie, 2.629 blutende Ellenbogen und 1.562 Cuts auf der Stirn verarztet haben. Du wirst nicht mehr ohne Pflaster außer Haus gehen. Und mit den Rezeptionisten der Kinder-Unfallambulanz möglicherweise bald per Du sein.

2.    Jungs sind Jäger und Sammler
Vor allem Sammler. Du wirst keinen Spaziergang mehr machen, ohne dass dein Kind im Durchschnitt 5 Stecken und 23 Steine und Zapfen sammelt, die so schön sind, dass sie unbedingt mit nach Hause genommen werden müssen.

Mit den Stecken wird dein kleiner Bursche ziemlich sicher entweder sich selbst, seinem Bruder oder dir halb das Auge ausstechen. Er wird drüber stolpern und ihn in jedes noch so dreckige Kanalloch stecken wollen. Nach etwa der Hälfte des Weges leidet er dann an spontaner Erschöpfung, was bedeutet, dass du neben Jausenrucksack, Wickeltasche, Laufrad und was man als Mama eben noch so mithat, auch fünf sperrige Holzstecken mit dir herumtragen wirst.

Erfreulicherweise gilt das nicht für die gesammelten Steine. Die verteilt dein Kind nämlich in sämtlichen Hosen- und Jackentaschen und du findest sie wahlweise dort im nächsten Frühjahr oder in deiner kaputten Waschmaschine wieder.

3.    Jungs haben anatomisch einzigartige, Lanzen-förmige Knie.
Anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich gefühlt jeden Tag Hosen flicke. Egal, wie teuer die Jeans, egal wie dick der Stoff: Meine Jungs kommen nach spätestens drei Tagen mit aufgerissenen Knien daher.

Mittlerweile besitzen sie jeweils nur noch eine Hose ohne bunte Knie-Flicken. Die wird dann nur zu Omas Geburtstag oder zur Hochzeit der Großtante hervorgeholt und zur Schau getragen. Vorzugsweise an solchen Tagen fallen sie damit bereits direkt bei Verlassen des Hauses Knie voran in die nächste Matschpfütze.

4.    Jungs müssen alles auseinandernehmen.
Sie meinen es nicht böse, aber kleine Burschen MÜSSEN einfach alles kaputt machen. Sie sind einfach nicht glücklich, so lange sie nicht wissen, wie genau es im Inneren ihres ferngesteuerten Autos aussieht. Oder unter den Tasten deines Laptops.

Dabei hinterlassen sie dir überall im Alltag kleine Überraschungen. Zum Beispiel, wenn du mit deinem guten Kuli das Bestellformular für die Schulmilch unterschreiben möchtest und er unter deinen Fingern in seine Einzelteile zerfällt. Oder wenn du bei Stromausfall wirklich gerne deine Taschenlampe anschalten würdest und statt einer funktionierenden Batterie darin die Feder des Kugelschreibers wiederfindest.

Damit Jungs auch gern mit Puppen spielen, müsste man ihnen wahrscheinlich nur diese zerlegbaren Modelle aus dem Anatomie-Unterricht geben, bei denen sie ihnen Milz und Leber entfernen könnten.


5.    Jungs werden magisch angezogen von Wasser, Matsch und Dreck.

Ich kann es immer kaum fassen, wenn ich Mädchen sehe, die voll angezogen an einem Bach spielen und sich dabei tatsächlich nur die Hände nass machen. Für meine Jungs gibt es nichts zwischen „10 Kilometer vom Wasser entfernt“ und „Juhu, Bauchfleck!“

Aus „mit Gummistiefeln in die Pfütze“ wird in Sekundenschnelle ein Vollbad. Selbiges gilt für Seen, Flüsse, Bäche, Matschgruben, Sandkisten und – ich sage es nicht gerne – Kuhfladen. Als Jungs-Mama hast du also immer mindestens ein Wechsel-Outfit mit. Und ein weiteres im Auto. Leider vergisst du dabei, auch etwas zum Wechseln für dich selbst einzupacken. Deswegen siehst du, nachdem du dein Kind aus der Ganzkörper-Matschtarnung befreit hast, leider selbst aus wie ein Erdferkel.

6.    Jungs haben ein eingebautes Zielrohr.
Das erfährst du als Jungs-Mama bereits in den ersten Tagen, wenn du vorsichtig die Windel deines Zuckerpüppchens öffnest und er dir zielgerichtet auf dein Lieblings-Shirt pinkelt.
Leider Gottes können kleine Jungs dieses Zielrohr nur für ausgewählte Zwecke verwenden. Dazu gehört es bedauerlicherweise nicht, in die Kloschüssel zu treffen. Das funktioniert nur, wenn du gerade einen sauteuren Klostein gekauft hast. In diesem Fall pinkeln sie nämlich zielgerichtet von oben genau in diesen hinein, bis er innerhalb von drei Tagen leer ist.

Du wirst so viel Klo putzen wie nie zuvor. Du wirst versuchen, ihnen beizubringen, im Sitzen zu pinkeln. Bis du realisierst, dass sie auch im Sitzen einfach waagrecht nach vorne unterm Klositz herauspinkeln können.

7.    Jungs müssen alles ausprobieren.

Und ich meine ALLES. Es reicht nicht, wenn du ihnen vorher sagst, was passieren wird, sie müssen es SELBST erleben. Was passiert, wenn ich mir mit der Bastelschere ein Dreieck in die Stirnfransen schneide? (Du wirst aussehen wie ein Vollidiot.) Was passiert, wenn ich mir ein Playmobil-Polizeiblaulicht in die Nase stecke? (Mama wird es – natürlich nicht, ähem! – mit dem Zahnstocher wieder rauspulen.) Was passiert, wenn ich ohne Schwimmflügerl einfach ins Wasser springe? (Blubb, blubb.)

8.    Jungs haben immer Hunger.

Immer. Auch wenn sie gerade Frühstück, Vormittagsjause 1, Vormittagsjause 2, Mittagessen und Nachspeise gegessen haben. Außer natürlich, es gibt Gemüse. Aber das traust du dich ohnehin schon nur mehr in aufwendig versteckter Form aufs Teller zu bringen.

Gleichzeitig mit einem Buben zieht ein neues Wort bei dir zu Hause ein: Jause. Du wirst sie immer bei dir haben, egal wohin du gehst. Denn auch 20 Minuten am Spielplatz sind für einen kleinen Jungen offenbar körperlich ohne mindestens einen Früchteriegel oder eine Mandarine nicht überlebbar. Das wird dazu führen, dass dir im Arbeits-Meeting leere Quetschi-Packungen und Mini-Gummibärli-Sackerl aus der Tasche fallen werden, aber daran werden sich deine Kollegen schnell gewöhnen.

Du solltest auch wissen, dass du nie wieder – und ich meine NIE wieder – das Keks, das man im Café manchmal zu seinem Kaffee bekommt, selbst essen dürfen wirst. Und dass mindestens die Hälfte des Brotes, das ihr zum Entenfüttern mitnehmt, im Mund deines Kindes landen wird. Selbiges gilt für sämtliche Brösel, die dein Kind unter dem Tisch (oder auch an der öffentlichen Bushaltestelle) findet.

9.    Jungs lieben alles, was eklig ist.

Egal ob Spinnen, Asseln, Nacktschnecken oder ihre eigenen Fürze. Mit Begeisterung sammeln sie mit ihrer Becherlupe Weberknechte, Ohrwürmer und Feuerwanzen. Ungefähr fünf Schritte, bevor sie dir diese stolz in der Küche präsentieren möchten, fällt ihnen unweigerlich die Becherlupe auf den Boden, springt auf und sämtliches Getier flitzt in alle Himmelsrichtungen davon.

10.    Jungs sind gnadenlos ehrlich.

Ich habe mal ein kleines Mädchen zu ihrer Mama sagen gehört: „Mama, du bist die schönste Mama auf der ganzen Welt!“. Meine Jungs sagen zu mir Dinge wie „Mama, warum hast du da so einen großen Pickel auf dem Kinn?“, „Mama, warum hast du eigentlich so viele graue Haare?“ oder „Mama, warum ist dein einer Busen länger als der andere?“.

In sechs Jahren habe ich mir jetzt schon so manche harte Wahrheit ins Gesicht sagen lassen müssen. Dafür geht nichts über den Moment, wenn dein kleiner Held zu dir sagt „Mama, du riechst so gut nach Kuchen“. Oder „Mama, ich hab dich so arg lieb.“ Weil dann weißt du ganz genau, dass sie es genauso ehrlich meinen wie die Sache mit dem Pickel …

Freitag, 27. März 2020

Die 3 größten Corona-Challenges für Eltern

Bisher dachte ich, das Krasseste, was einem in Sachen Heimquarantäne passieren kann, ist dass beide Kinder hintereinander die Windpocken bekommen. Dann kam Corona. Und plötzlich wünsche ich mir die Windpocken zurück.

Nicht, dass die lustig gewesen wären, aber was hatten wir da rückblickend für einen Luxus! Besuche von der Oma! Rausgehen mit dem jeweils gesunden Kind! Unsere größte Sorge war das schlechte Fernsehprogramm! Hätte mir damals jemand gesagt, was im Frühjahr 2020 auf uns zukommen sollte, ich hätte ihm den Vogel gezeigt.

Und jetzt haben wir alle den Salat beziehungsweise den Virus. Von einen Tag auf den anderen hat sich die ganz normale Welt in einen Zombiefilm verwandelt, für den meine Kinder eigentlich noch viel zu klein sind, um ihn sich anschauen zu dürfen.

Oft genug kommt es mir so vor, als würde gleich jemand „Haha, versteckte Kamera!“ rufen – nur, dass das dann leider doch nie jemand tut und der Film unbeirrt weiterläuft.
It’s the end of the world as we know it – und das für uns alle. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass diese bekackte Katastrophe gerade an Menschen mit Kindern noch ein paar besondere Sahnehäubchen des Wahnsinns austeilt. Damit will ich bei Gott nicht die Probleme all jener schmälern, die sich gerade auch kinderlos vollkommen zurecht beschissen fühlen, ich will nur allen Eltern da draußen sagen: Ich weiß, warum ihr gerade euren Kopf gegen die Wand schlagt.

Vielleicht, weil ihr gerade seit gefühlten Ewigkeiten versucht, neben zwei brüllenden Fressmonstern im Home Office eine (nur EINE!) E-Mail zu beantworten. Vielleicht, weil ihr seit zwei Stunden aus Klopapierrollen eine Ritterburg baut. Vielleicht auch nur, weil ihr gerade bemerkt habt, dass ihr beim letzten Hamsterkauf zwei Flaschen Wein zu wenig mitgenommen habt … Ganz egal, warum: Ich verstehe euch. Denn die folgenden drei speziellen Corona-Challenges für Eltern bleiben gerade kaum jemand von uns erspart.


Corona-Challenge für Eltern #1: Du musst funktionieren – auch wenn gerade sonst nichts funktioniert

Keine Schule, kein Kindergarten, keine Betreuungsmöglichkeiten – was Corona uns da gerade beschert, trifft besonders alle extra hart, bei denen beide Elternteile berufstätig sind. Ohne Kindergartentanten, Tagesmütter und Großeltern klappt nämlich das mühsam aufgebaute Kartenhaus ganz schnell in sich zusammen.

So sitzt man plötzlich in den umgepusteten Ruinen da und fährt die größte One-Man/Woman-Show seines Lebens. Denn dass Kindergartentante, Lehrerin, Köchin, Putzfrau und Entertainerin in einem schlecht funktioniert, ist klar. Dass ihr das Ganze aber nicht nur „neben“, sondern gleichzeitig mit eurem normalen Job machen sollt, nahezu unmöglich.

Meine größte Bewunderung gilt allen, die momentan da draußen als ÄrztInnen, KassiererInnen oder PflegerInnen unser System am Laufen halten – daneben komme ich mir beinahe schlecht vor, mich über die Arbeit im Home Office zu beschweren. Aber wer jemals versucht hat, neben zwei Kleinkindern auch nur zehn Minuten produktiv am Computer zu arbeiten, weiß, wovon ich rede.

„Maaama! Mama, schau! Mama, ich hab Hunger! Mama, mir is fad! Mama, was machst du da? Mama, was passiert, wenn ich auf den Knopf da drücke? Mama, schau wie schön ich die Wand angemalt hab! Maaaaama, Maama, MAMA!!!“

Und du willst deine Kinder wirklich nicht anschreien, aber du würdest auch wirklich gern deinen Job behalten! Und auch wenn deine Chefin sehr verständnisvoll ist, wenn sich während des Video-Chats dein Kleiner im Hintergrund wie Tarzan am Vorhang durchs Zimmer schwingt, irgendwann reißt dir der Geduldsfaden und du phantasiert davon, wie du die lieben Kleinen mit extrastarkem Paketband an die Kinderzimmerwand pickst. Gleichzeitig tun sie dir auch schon wieder leid, weil sie natürlich nicht verstehen können, warum Mama nicht „da“ ist, obwohl sie doch da ist – und du fragst dich nur noch, ob man dir heute den Pokal für die schlechteste Mitarbeiterin oder doch lieber den für die schlechteste Mama verleihen sollte.

Zu Mittag geht’s statt bequem in die Kantine gestresst in die Küche, wo in der Arbeitspause schnell, schnell ein nahrhaftes Menü zubereitet werden will, das sowohl den Kindern als auch dem Mann mundet. Nicht zum ersten Mal stellst du dabei fest, dass ihr plötzlich das gefühlt Hundertfache an Essen verbraucht wie sonst und du dich beim letzten Notfalleinkauf um ca. 67 Paar Frankfurter und 8 Flaschen Ketchup verschätzt habt. Und danach zurück zur Arbeit – nein, halt! Noch schnell Geschirrspüler einräumen, Waschmaschine starten, den Kindern einen Bastelblock zuwerfen und Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen …


Corona-Challenge für Eltern #2: Du musst entertainen – auf einem völlig neuen Level

Durch Corona weiß ich jetzt, wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ als Horrorfilm ausgesehen hätte. „Mama, was machen wir heute?“ – „Nix!! So wie gestern und morgen und jeden verdammten Tag ab jetzt!!“ Nein, das sagst du natürlich nicht! Stattdessen sagst du Dinge, von denen du nie geträumt hättest, dass sie einmal deinen Mund verlassen würden. „Lass uns doch heute selber Knete machen!“ oder „Sollen wir aus Nudeln eine Feuerwehrstation basteln?“

Dank Corona bin ich gefangen in der Bastelhölle. Und alle, die mich kennen, wissen, was das für mich heißt. Doch was bleibt mir anderes übrig? Ich kann die Jungs schlecht 12 Stunden am Tag vor dem Fernseher parken und ich verstehe sie ja – ich dreh ja selbst am Rad! Mit drei und sechs Jahren will man sich keinen Baum durchs Fenster anschauen – man will schreiend drum herumlaufen, raufklettern, etwas aus seinen Ästen schnitzen …

Und ja, man „darf“ zwar noch spazieren gehen, aber nicht zu lang und nicht zu weit und überhaupt am allerliebsten allein. Traut man sich dann mal tatsächlich mit den Kindern hinaus zum nächsten Baum, fühlt man sich wie eine Widerstandskämpferin, die jeden Moment von der Polizei abgeführt werden könnte. Ganz nebenbei macht das viele Bogen-um-Leute-Laufen und „Nein, Schatzi, dableiben, nicht zu den Kindern hinlaufen!“-Brüllen müde und paranoid. Nach zehn Minuten auslüften scheuchst du die weinenden Kinder, die nicht verstehen, warum sie heute nicht auf den Spielplatz dürfen, also wieder nach Hause. Und bist dort wieder bis auf Weiteres „gefangen“.

Ja, gefangen mit Essen und Spielsachen und Bastelpapier – aber dennoch gefangen. Ich versuche mir einzureden, dass man sich an alles gewöhnt. Ich denke an lebenslänglich Inhaftierte. Und an Menschen ohne Fernseher. Und trotzdem bin ich deprimiert. Und wenn ich noch EIN Mal irgendwo lese, ich soll doch bitte genießen, dass ich endlich mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen kann …! Habt ihr eigentlich einen Dachschaden? Glaubt ihr, wir tanzen jetzt singend Hand in Hand als Familie um den Küchentisch, weil wir uns so darüber freuen, dass wir nicht mehr rausdürfen?!

Ich versuche mit allen Mitteln, meinen Kindern diese beschissene Zeit so schön wie möglich zu machen, aber das ist verdammt noch mal kein Partyspaß. Ich spiele 365 Runden Uno am Tag, ich bastle, ich male, ich baue Duploburgen und Polsterhöhlen – und dann ist es immer noch erst 10:00 Uhr vormittag!

Anfangs habe ich versucht, die Kinder ganz gefinkelt für Haushaltsaufgaben zu begeistern. „Kommt, jetzt räumen wir alle gemeinsam den Geschirrspüler aus!“ Die Kinder starrten mich daraufhin an, als hätte ich gerade vorgeschlagen, dass wir uns alle einen Finger abhacken. Also basteln wir. Und essen. Und basteln. Und essen. Wer hätte gedacht, dass ich mal vor dem Dilemma stehen würde, ob ich die Erdäpfel lieber hamstern oder für den Kartoffeldruck verwenden soll??


Corona-Challenge für Eltern #3: Du musst erwachsen sein – auch wenn du gerade selbst am liebsten heulend zu deiner Mama laufen würdest

Die wohl größte Herausforderung in dieser furchteinflößenden Zeit ist, dass du für dein Kind der Fels in der Brandung sein musst. Auch wenn dich dein Kleiner zum hundertsten Mal fragt, wann der blöde Coronavirus endlich wieder weg ist, musst du ihm glaubhaft versichern, dass alles wieder gut wird und zwar ganz bald.

Statt nach den Nachrichten in den Keller heulen zu gehen, holst du von dort nur eine neue Packung Play-Doh. Voller Überzeugung sagst du Sätze wie „Aber sicher können wir Oma und Opa ganz bald wieder besuchen!“ oder „Deinen Geburtstag feiern wir dafür doppelt so groß nach!“, während dir innerlich das Herz bricht.

Was antwortet man, wenn einen ein Sechsjähriger fragt, ob Corona weggeht, wenn er sich dafür gar nichts anderes vom Christkind wünscht? Wie reagiert man, wenn ein Dreijähriger wissen möchte, wie man betet, weil er dem lieben Gott gern sagen möchte, dass er Corona bitte wieder wegmachen soll? Ich stoße als Mama gerade jeden Tag so an meine Grenzen, wie ich es vorher nie für möglich gehalten hätte.

Einerseits bin ich unendlich froh, dass ich in dieser schrecklichen Situation wenigstens kleine Kinder habe, die mich mit ihrem Blödsinn ablenken und mich mit ihren verrückten Ideen trotz allem zum Lachen bringen. Auf der anderen Seite mache ich mir wegen den Kindern noch viel mehr Sorgen als sowieso schon. Was macht das mit meinen Jungs, wenn sie Wochen oder Monate lang zu Hause „gefangen“ sind, ohne ihre Freunde, ohne Spielplatz, ohne Oma und Opa und Kindergarten?

Wie wird es sie verändern, wenn sie trotz aller Bemühungen mit ihren feinen Antennen die Ängste und Sorgen von Mama und Papa jeden Tag ungefiltert mitbekommen? Vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken und das Traumatischste, was die beiden aus dieser Zeit mitnehmen werden, ist, dass ich ihnen selbst die Stirnfransen schneiden musste – ich weiß es nicht.

Man sagt, ein Trauerprozess verläuft in fünf Stufen: Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Bis auf Akzeptanz hab ich jetzt dann alles durch – die Dinge können also nur noch besser werden. Und ich habe das starke Gefühl, dass ich mir noch ein paar Tränen aufsparen sollte.

Die brauch ich nämlich dann, wenn meine Jungs das erste Mal wieder johlend in den Kindergarten laufen. Wenn ich meine Mama wieder umarmen kann. Wenn ich das erste Mal das Meer wiedersehe. Und wenn für uns alle die Freiheit wieder nur einen Schritt von der Haustür entfernt ist.

Montag, 11. November 2019

Das letzte Abendma(h)l

Ich bin eine große Verfechterin des Familienessens. Ich finde es wichtig und schön, wenn abends alle gemeinsam an einem Tisch sitzen, um sich zu unterhalten und vom Tag zu erzählen. Ihr wisst schon, so schön Klischee: Reich mir mal das Salz, mein Schatz, wie war dein Tag? Gut Mama, und was hast du wieder für ein köstliches Essen für uns alle gekocht!

Zur Zeit bedienen wir allerdings allabendlich ein ganz anderes Klischee. Jeden Abend wird geweint, gebrüllt und geschimpft, bis die Nerven blank liegen. Reich mir doch mal den Wein, mein Schatz, ich muss mir jetzt diese verzogenen Gören schön saufen …

Dabei erwarte ich meiner Meinung nach nicht viel von meinen Kindern. Ich weiß, dass es für Jungs in einem gewissen Alter nichts Langweiligeres gibt, als an einem Tisch zu sitzen und etwas zu essen, das nicht schon beim bloßen Anblick Karies verursacht. Und ich mute ihnen auch nicht zu, sich in einem Restaurant stundenlang brav und artig zu benehmen (überhaupt seit mein Großer beim letzten Gasthausbesuch den armen Pensionisten mit Augenklappe am Nebentisch gefragt hat, wo denn sein Piratenholzbein sei …). Aber im Pyjama gemütlich zu Hause am Esstisch zu sitzen und etwas Leckeres von Mama Gekochtes zu essen, ist doch nicht zu viel verlangt, oder???

Scheinbar aber doch. Das Drama nimmt nämlich schon seinen Lauf, wenn das Essen noch gar nicht am Tisch steht. „Jungs, in 5 Minuten gibt’s Essen, räumt ihr dann mal langsam zusammen?“ Spätestens jetzt brechen Protestgeheul und Hysterie aus. Denn obwohl ich sie seit einer halben Stunde im Sekundentakt vorwarne, dass es jetzt dann aber wirklich bald Essen gibt, fühlen sie sich jedes Mal hinterrücks überrumpelt und völlig außer Stande, ihr explosionsartig über das gesamte Wohnzimmer verteiltes Spielzeug zu verlassen. „Aber ich hab doch GRAD erst angefangen mit dem Superhelden-Detektiv-Echsen-Einsatz!“, „IMMER muss ich abendessen, NIE darf ich spielen!“ … Jo, genau.
„IMMER muss ich abendessen, NIE darf ich spielen!“

Habe ich die beiden dann doch dazu gebracht, dass sie sich tödlich beleidigt an den Tisch setzen, folgt unweigerlich der 2. Akt: Blick auf den Teller und alle gemeinsam: „Wäääh! Ich mag das nicht!“. Egal, was ich koche, es passt einfach nie. Und Gnade mir Gott, wenn auch nur ein Nanomillimeter Gemüse dabei sein sollte. Selbst, wenn ich ihre Lieblingsspeise koche, ist die ganz plötzlich an diesem Tag „voll eklig“.

Es ist für mich denkbar schwer, genau jene Kombination zu erraten, die an diesem Tag genehm gewesen wäre. Während der eine brüllt, dass er das sicher nicht essen werde und wenn, dann nur das Püree, beschwert sich der andere darüber, dass er aber nur Schnitzel mag. Und ob ich nicht gesehen hätte, dass das Ketchup genau auf einem Millimeter Fläche schon sein Fleisch berührt!

Mittlerweile habe ich an diesem Punkt resigniert. Soll der Kleine doch nur einen mannshohen Haufen Püree essen und dem Großen tupfe ich das Ketchup feinsäuberlich vom Schnitzel, obwohl er es drei Sekunden später dort selbst wieder eintaucht – mir doch alles egal.

Aber, Herr im Himmel, auch das ist nicht genug. Kaum sieht der Kleine seinen Püreeteller, fängt er herzzerreißend zu weinen an, weil ich doch GENAU weiß, dass er gar kein Püree mag! Diese himmelschreiende Ungerechtigkeit bewegt ihn dazu, seinen TrippTrapp-Stuhl fluchtartig zu verlassen und sich brüllend unterm Esstisch zu wälzen. Währenddessen schüttet der Große wie jeden Abend sein Glas um, versucht, aus seinem Schnitzel eine Transformer-Burg zu bauen und bohrt gleichzeitig in der Nase.

Ich versuche, die Ruhe zu bewahren und ausnahmsweise nicht zu schimpfen. Wenn der Kleine nichts essen will, werde ich ihn nicht zwingen. Ich schiebe das brüllende Bündel unterm Tisch mit dem Fuß ein bisschen zur Seite, wische oben das zweite Glas Saft auf und schaue meinem Großen dabei zu, wie er mit der Gabel in der Hand aus dem Fenster schaut, Laternenlieder singt, sich das Ketchup in den Pyjama schmiert und das Schnitzel, das er vorher so unbedingt essen wollte, unberührt liegen lässt. Darauf angesprochen meint er, dass er doch gesagt habe, er esse heute sicher nur Püree. Schwer um Fassung ringend schaufle ich ihm also das Püree vom Teller des Kleinen auf seinen Teller.

Sobald der Große dann tatsächlich das gesamte Püree gegessen hat, ist das das Stichwort für den Kleinen, plötzlich wieder aus der Versenkung aufzutauchen und vehement nach seinem „PÜREE!!!“ zu verlangen. Als er bemerkt, dass dieses in der Zwischenzeit sein großer Bruder aufgegessen hat, eskaliert die Situation. Der Kleine brüllt, weil er doch sooo Hunger auf Püree hat, der Große weint, weil er jetzt draufkommt, dass er gerade etwas gegessen hat, das „sicher schon der Nico angeschlazt hat“ und Mama verliert endgültig die Nerven.

„KANN ICH BITTE EINFACH NUR MAL EINE MINUTE IN RUHE ESSEN!!!!“. Die Kinder schauen mich verständnislos an. Gerade so, als könnten sie nicht verstehen, warum die Mama das idyllische Familienabendessen immer so unhöflich stören muss. An diesem Punkt sind beide Kinder so eingeschüchtert, dass sie mit etwa 30-minütiger Verspätung endlich beginnen, doch zu essen. Das bedeutet für mich, dass ich ab jetzt im Minutentakt in die Küche laufe, um mehr Ketchup/noch Püree/eine andere Gabel/100 Blätter Küchenrolle zu holen, während mein eigenes Essen kalt wird. In den letzten 2 Minuten stopfe ich mir noch schnell alles hinein, was auf meinem Teller liegt und denke mir: Das war jetzt das letzte Ma(h)l, morgen esse ich fix erst, wenn die Kinder im Bett sind. Bis mir einfällt, dass mein Essen dann genauso kalt wird, weil dann alle 2 Minuten einer aufs Klo muss/unbedingt was trinken will/seinen Polster nicht mehr findet …

Montag, 16. September 2019

Der Zettel, vor dem alle Eltern sich fürchten

Gerade eben habe ich noch das Planschbecken aus dem Keller geholt und – schwupps! – knappe 3.500 Mal Schwimmflügel aufblasen später ist er schon wieder vorbei, der Sommer.

Nix mehr Urlaub und Ausflug zum See, stattdessen back to reality. Und vor allem: Back to Kindergarten. Brotdose, Trinkflasche, Matschgewand, Rucksack, Gummistiefel, Kuscheleckenpolster und was so ein kleines Kind halt noch so alles braucht, wenn es zirka drei Stunden am Stück außer Haus ist, liegen schon im Vorraum bereit und ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder es mir grauen soll.

Auf der einen Seite ist es ja so, dass ich nicht gerade untröstlich bin, wenn mein geliebtes Kind und ich jetzt dann nicht mehr 24 Stunden am Tag zusammen verbringen müssen, äh dürfen. Ja ja, Mutterliebe, Trennungsschmerz, pipapo, aber jetzt mal ehrlich: Man kann auch nur so oft in den Zoo/ins Kindermuseum/ins Bällebad/auf den Spielplatz gehen, bevor man als Mama schlicht und einfach den Verstand verliert.

Drei Wochen Kinder-Vollbespaßungsprogramm ist für meinen Geschmack wirklich genug, danke, da dürfen ab jetzt dann gern wieder die Profis Pädagoginnen mitspielen und mit meinem Kind 500 Papier-Dinosaurier am Tag basteln.


Aber so sehr ich mich auch darauf freue, wieder mal einen halben Tag ohne Lego, Playdoh & Co. verbringen zu dürfen, sehe ich ihn unweigerlich bereits vor meinem inneren Auge: den Zettel. Und im Vergleich zum Zettel spiele ich lieber die nächsten sechs Monate in Endlosschleife Kinder-Uno.

Und sagt mir jetzt nicht, ihr kennt den Zettel nicht. Den Zettel gibt es nämlich meines Wissens nach in jedem Kindergarten zwischen hier und Bad Kleinkirchheim. Bereits von Weitem sieht man ihn spätestens zwei Wochen nach Kindergartenstart in der Garderobe hängen, getarnt in einer lustigen, kindgerechten Farbe, damit Mama nicht schon bei der Haustür wieder umdreht und wieder nach Hause fährt.

Nachdem es ja eh nichts nützt, nähere ich mich resigniert dem Zettel und schließe mit mir selbst eine Wette ab, was es diesmal ist. Sollte ich die Wette verlieren, muss ich mich heute endlich in die Buffet-Mitbring-Liste für das Laternenfest eintragen, für die mir nie etwas einfällt, das kindgerecht/gesund/stylish genug zur allgemeinen Präsentation wäre.

„Liebe Eltern! In unserer Gruppe ist ein Fall von XXX aufgetreten. Bitte achten Sie bei Ihrem Kind auf Anzeichen wie blablabla…“. Die XXX werden dann im Wochentakt bunt durchgewechselt. Mal steht da „Scharlach“, mal „Windpocken“, mal „Magen-Darm-Grippe“, mal „Hand-Mund-Fuß“ (im Ernst, hat irgendjemand von dieser Krankheit gehört, bevor er Kinder hatte?! Für mich klingt das heute noch wie Maul-und-Klauen-Seuche …) – und ganz besonders oft und beliebt: „Läuse“.

Mittlerweile bin ich dem Thema Läuse gegenüber aufgrund des inflationären Auftretens des dazugehörigen Zettels abgestumpft. Ob es beim Billa nun 25 Prozent auf Frischfleisch in Bedienung oder im Kindergarten Läuse gibt, ist für mich auch schon wurscht. Das erste Mal, als ich den Läuse-Zettel im Kindergarten sah, bekam ich aber auf der Stelle einen mittelschweren hysterischen Anfall und raste auf direktem Weg in die Apotheke, um mich dort mit einem Rundum-sorglos-Paket an Anti-Lausmitteln einzudecken. Sofort wurden beide Kinder präventiv mit Weidenrinden-Shampoo grundgereinigt und bei jedem Kratzen in Kopfnähe wurde der Lauskamm in Habtachtstellung gebracht.

Seltsamerweise sind wir (bis jetzt) von den ekligen Viechern verschont geblieben, und das wundert mich wirklich sehr. Denn wenn ich eines in den ersten Jahren als Mama eines Kindergartenkindes gelernt habe, dann, dass Kinder gnadenlose Bazillenschleudern sind.

Hat einer eine Erkältung, haben unweigerlich alle eine Erkältung. Den letzten Kindergeburtstag meines Großen verbrachte ich so zum Beispiel mit meinem ganz eigenen Partyspiel „Fang das Rotz“, bei dem es galt, sechs kleinen Jungen im Kreis die triefende Nase zu putzen. Fängt erst einer mit der ersten Schnupfennase an, ist das Rad ins Rollen gebracht – und lässt sich zumindest bei uns den ganzen Herbst und Winter nicht mehr stoppen. Schnupfen, Halsweh, Husten – ja, hier, wir machen mit!

Dass die eigene kleine Bazillenschleuder die schönsten Andenken aus dem Kindergarten natürlich auch noch nach Hause bringt, ist ein weiteres beliebtes Extra, damit auch Mama und Papa was davon haben. Im Prinzip kann ich jetzt meine nächsten Treffen mit irgendjemandem schon wieder erst für April 2020 ansetzen, denn davor wird unweigerlich immer einer von uns krank sein.

Im Ernst, so ein Kindergarten kommt mir oft schlimmer vor als die Seuchenstation eines Krankenhauses in Burundi. Wo haben die Kleinen diese ganzen Sachen nur her?? Sollten sie nicht eigentlich noch vor Gesundheit strotzen bei den ganzen sorgfältig ausgewählten Dinkelcrackern, selbst gezogenen Bio-Karotten und mühevoll noch vor der Arbeit gesteckten Obst-Spießchen, die man ihnen in die Feuerwehrmann-Sam-Jausenbox packt?!

Sei’s wie’s sei, immerhin weiß ich dieses Jahr schon, was auf mich zukommen wird. Ich weiß, dass ich keinen Winterurlaub mehr zu buchen brauche, weil sowieso mindestens einer von uns wegen eitriger Angina nicht fahren kann. Ich weiß, dass auch der bestellte Nikolaus in letzter Sekunde aus Krankheitsgründen wieder abgesagt werden muss. Ich kenne die Symptome jeglicher Kinderkrankheiten, weiß, wie lang die Inkubationszeit von Windpocken ist (Spoiler: genau so lange, bis man in der Früh aufsteht, um eigentlich in den Winterurlaub zu fahren) und kann eine Nureflex-Spritze mittlerweile blind mit der richtigen Füllmenge aufziehen. Also lieber Zettel, bring it on – mir jagst du so schnell keine Angst mehr ein! 

Montag, 9. September 2019

Bitte einmal Urlaub vom Urlaub - mit Kindern...

Flieg nach Mallorca, haben sie gesagt, das wird lustig, haben sie gesagt … Grundsätzlich bin ich ja ein großer Fan von Urlaub. Vielleicht ein etwas weniger großer Fan von Urlaub mit Kindern (worüber ich an anderer Stelle ja schon ausführlich berichtet habe), aber immer noch Fan. Doch dann erlebt man immer wieder mal diesen einen Urlaub, bei dem einfach alles schief geht. Bei dem man danach noch viel urlaubsreifer ist als man es davor war.


Und genau von dem erzähle ich euch jetzt. Einerseits zu Zwecken der Selbsttherapie – vor allem aber für alle Mamas, die dieses Jahr vielleicht auch einen Urlaub erlebt haben, in dem sie mehr an ihren grauen Haaren als an ihrer Urlaubsbräune gearbeitet haben.

Grundsätzlich dachte ich ja, dass wir urlaubsmäßig aus dem Gröbsten raus sind. Mit einem Fünf- und einem Dreijährigen sind zumindest Probleme wie „Wann/wie/wo soll das Kind nur seinen Mittagsschlaf machen?“ oder „Warum fliegt der Schnuller immer genau in den Sand?“ (obwohl, ersetze „Schnuller“ durch „Eiskugel“ und du hast dasselbe Drama) nicht mehr allzu relevant. Ich hatte jedoch nicht mit der neuen Art von Urlaubs-Challenges gerechnet, mit denen ich es diesmal zu tun haben sollte.

Vielleicht lag es auch daran, dass wir uns als Urlaubsziel das allseits beliebte Mallorca ausgesucht hatten. Ich konnte mir bis dato unter der Insel nicht viel anderes vorstellen als Sangria aus Kübeln und Jürgen Drews, aber genügend Freunde hatten mir glaubhaft versichert, dass es abseits vom Ballermann ein wunderschönes Fleckchen Erde sein sollte. Und ein kurzer Vergleich der Flugpreise machte es schnell klar: Dieses Jahr ging es – olé, olé – nach Malle.

Die ersten Wolken am Urlaubshimmel zogen jedoch bereits auf, bevor wir überhaupt auf der Insel eintreffen sollten. Pünktlich am Vorabend des Fluges wurde nämlich der liebe Göttergatte krank. Vollgepumpt mit der gesamten Palette an Aspirin-Produkten quälte dieser sich zwar trotzdem am nächsten Tag zum Flughafen, das Bespaßungsprogramm für die Jungs lag aber erst mal ganz und gar in meiner Hand.

Und ich könnte euch jetzt erzählen, wie es ist, zwei unter 6-Jährige mit einem Stapel Pixibüchern und einer Tüte Gummibärli bei Laune zu halten, wenn bereits angeschnallt im Flieger statt der Durchsage „Ready for take-off“ eine mindestens 30-minütige Verspätung verkündet wird. Oder welchen Spaß es macht, wenn dann am Zielort am Gepäckband, bei der Autovermietung und beim Hotel-Check-in alles schief geht. Stattdessen möchte ich euch stellvertretend von unserem ersten Tag auf Mallorca erzählen.

Während der Göttergatte nach dem mit zwei Kleinkindern natürlich unglaublich entspannten Buffet-Frühstück („Jetzt will ich Nutella! Jetzt mag ich Kuchen! Saft, ich will jetzt Apfelsaft!!“) wieder zurück ins Krankenbett wanderte, versuchte ich, die Urlaubslaune hoch zu halten. So ein Tag allein mit den Jungs am Pool, was sollte da schon groß dabei sein?

Dass die Sache nicht ganz so spaßig und relaxed werden würde, wie ich mir das in meinen „Mutti allein im Urlaub“-Plänen vorgestellt hatte, merkte ich allerdings schon auf dem Weg zum Pool. Kennt ihr das eigentlich, wenn ihr euch vollbepackt mit einer Badetasche so groß wie ein Kleinwagen und links und rechts ein Sortiment an Schwimmflügeln, aufblasbaren Gummikrokodilen und Jausenrucksäcken balancierend vorantastet, plötzlich partout auch noch beide Kinder (die das sonst wie die Pest hassen) „Haaand geben!“ wollen??!

In einer wackeligen Polonaise, halb Kind, halb Krokodil, halb Wasserball schafften wir es irgendwie trotzdem ans verlockende Nass. Nur um dort festzustellen, dass wir definitiv bereits vor 07.00 Uhr hätten aufstehen müssen, um dort noch eine Liege zu ergattern. So weit das Auge reichte, waren sämtliche Liegestätten mit Handtüchern, aufblasbaren Schwimminseln oder auch einfach nur einem Paar Flip-Flops reserviert – genau wie in meinen schlimmsten Malle-Albträumen. Nicht, dass ich nicht locker dasselbe hätte tun können, schließlich verstehen meine Kinder auch im Urlaub das Konzept des Ausschlafens nicht, aber ich werde VERDAMMT NOCH MAL NIEMALS SO TIEF SINKEN, MIR UM 05.30 UHR EINE POOL-LIEGE ZU RESERVIEREN!!!

Wie durch ein Wunder erspähte ich dann doch noch eine Liege, von der der Reservier-Schwimmreifen halb runtergerutscht war – für mich die perfekte Ausrede, sie mir knallhart anzueignen. Dass die Liege in der prallen Sonne lag und darauf eigentlich nur ein halber Kinderhintern Platz hatte, war mir in dem Moment denkbar wurscht. Mit letzter Kraft trötete ich die Schwimmflügel auf, quetschte sie an das nächstbeste Kinderkörperteil und warf mich und beide Jungs ins Wasser. Umgeben von 3.000 arschbombenden Kindern genoss ich so die absolute Urlaubsidylle – bis mein Großer verkündete, er müsse jetzt und sofort Lulu.

Da ich ihn ja unmöglich in den Pool pinkeln lassen wollte (Ok, ich geb’s zu! Ich hab gesagt, er soll einfach reinpieseln, aber es geht ja nicht in seinen Schädel, dass sich im Becken die Badehose runterzuziehen und sein bestes Stück rauszuholen, nicht das ist, was ich mit „unauffällig“ meine …), hieß es für die gesamte Mannschaft also raus aus dem Becken und im Dreiermarsch ab auf das wenig charmante öffentliche Klo.

Zurück von der Klo-Expedition versuchte ich, die Gunst der Stunde zu nützen, und die Jungs zumindest mal für 10 Minuten zu einer Schwimm-Pause zu überreden. Also quälte ich mich mit dem Großen durch ein Rätselheft, während ich den Kleinen mit einer Packung Butterkekse ruhigstellte.

Und ja, ich gebe zu, ich habe dabei möglicherweise nicht so ganz genau darauf geachtet, wie viele er davon in sich hineingeschaufelt hat, während ich diesen verdammten letzten Fehler im Bauernhof-Suchbild suchte. Definitiv dürfte es aber mindestens eines zu viel gewesen sein. Was ich leider erst bemerkte, als Nico beim nächsten Sprung in den Pool eine zielgerichtete Kotze-Fontäne aus Butterkeksbrei von sich gab.

Während ich die Speibe mit beiden Händen auffing (echt jetzt) und unauffällig versuchte, sie in der Zierpflanze am Poolrand zu entsorgen, damit den anderen Mamas die verdächtigen gelblichen Schlieren nicht auffielen, die von meinem Kind aus durchs Wasser zogen, zerstörte Noah natürlich meine Strategie mit einem sirenenmäßig lauten „Wääääh, Mama, der Nico speiiiiibt!!“.

Bereits jetzt war mein Stresslevel statt im Urlaubs-Relax-Bereich im Ich-geb-mir-gleich-die-Kugel-Bereich und ich verfluchte mich dafür, dass ich jemals die blöde Idee gehabt hatte, auf Urlaub zu fahren. Es hätte mich auch nicht überrascht, wenn mich in dem Moment jemand angesprochen hätte, ob ich nicht die Hauptrolle in der nächsten ATV-Doku über überforderte Mütter spielen wollte.

Selbst in der wäre allerdings vermutlich die Szene rausgeschnitten worden, als ich keine zehn Minuten später versuchte, ganz dezent ein braun triefendes Kind aus dem Pool zu ziehen. Ich sage nur: Schwimmwindel-Gack. Betroffene wissen, was das bedeutet. Und was soll ich sagen, auch jetzt handelte ich in meiner Solo-Mama-Verzweiflung äußerst ATV-mäßig. Ohne Wickeltisch erschien mir die Wahl zwischen „braunes Kind in der öffentlichen Dusche abspülen und mit der Sch… den Abfluss verstopfen“ und „im öffentlichen Klo am Boden das Kind wickeln“ wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Deshalb zog ich dem fröhlich stinkenden Kind heimlich im winzigen Schatten unserer Liege die besudelte Windel aus, wischte die bräunlichen Wasserpfützen notdürftig unter die Nachbarliege und warf das Kind mit einer neuen Schwimmwindel einfach wieder in den Pool.

Mir ist klar, dass jetzt wahrscheinlich nie wieder jemand mit mir auf Urlaub fahren will. Wahrscheinlich nicht einmal mein Mann, dem ich zurück im Hotelzimmer verkündete, dass die Jungs und ich einen ganz fantastischen, super relaxten Tag am Pool verbracht hatten …

Montag, 13. Mai 2019

Die Planung eines Kindergeburtstags? Der reinste Kindergeburtstag

Fünf Jahre lang habe ich es geschafft, mich vor einer klassischen Kindergeburtstagsparty zu drücken. Bis dahin war es den kleinen Herrschaften immer genug gewesen, wenn Oma und Opa, Cousin und Cousine, Torte und Geschenke zum großen Ereignis erschienen.

Doch als im Kindergarten eine Geburtstagseinladung nach der anderen ins Haus flatterte, war mir klar: Dieses Jahr musste ich dran glauben. Niemals im Leben würde Noah sich dieses Jahr damit zufriedengeben, mit Oma im Garten Schokokuchen zu essen, während seine Freunde an ihrem Ehrentag mit der Bällekanone im Indoor-Spielplatz (ein Ort des absoluten Grauens übrigens, falls euch das bis jetzt erspart geblieben sein sollte) herumballern durften.

Bereits beim Anblick der anderen Einladungen wurde mir klar, dass ich offenbar nicht für solche Dinge geschaffen bin. Während Noah gefühlt täglich Flaschenpost-, Piraten- und Dinosauriereinladungen nach Hause brachte, inklusive perfekt hineingephotoshopptem Bild des glücklichen Geburtstagskindes, dachte ich mir nur: Ich hasse es jetzt schon.

Sicher wollte ich, dass mein Kind auch einen schönen, lustigen, absolut wunderbaren Geburtstag erleben sollte, aber als absolut talentfreie Bastellegasthenikerin würde ich schon daran scheitern, bei der Einladung halbwegs mitzuhalten.

Auch eine halbherzige Pinterest-Recherche ergab nur, was ich bereits befürchtet hatte: Ohne Spezialausbildung an der Heißklebepistole blieb uns der Weg ins Kindergeburtstags-Nirvana wohl verwehrt. Beschämt klickte ich einen 8er-Pack Paw-Patrol-Fertigeinladungen in meinen Amazon-Einkaufskorb, bei denen man nur noch Uhrzeit, Ort und Name des Kindes selbst einfüllen musste. „Mom Of The Year“-Award, ich komme …

Bei der Location-Wahl für die große Sause stieß ich auf das nächste Problem. Zoo, Indoor-Spielplatz,…. Alles toll, toll, toll und wie gerne hätte ich darauf verzichtet, sechs brüllende halbstarke in meinem Schuhschachtel-Reihenhaus unter Kontrolle zu halten. Aber. Muss so eine Feier für einen 5-Jährigen wirklich schon so ein großes Happening sein? Hatte er nicht verdammt noch mal sogar das Recht auf eine richtige, echte Kindergeburtstagsparty, wie sie früher einmal war? Mit Topfklopfen, Schokoladeessen und Eierlauf, stinknormal zu Hause mit den besten Freunden?

Gänzlich old-school luden wir also fünf Kindergarten-Jungs in unsere eigenen vier Wände ein. Und ich konnte bei dem Gedanken daran, wie sie wie eine Horde wild gewordener Elefantenbullen unser Haus zertrampeln würden, für Wochen nicht mehr ruhig schlafen. Ich konnte ja meine eigenen zwei Jungs kaum in Zaum halten, wie sollte ich dann verhindern, dass fünf fremde Kinder mit meiner einzigen guten Salatschüssel Fußball spielten?!

Sicher wusste ich, dass das grundsätzlich alles liebe Jungs waren – ich wusste aber auch, auf welche Ideen meine eigenen grundsätzlich lieben Jungs oft so kamen. Und sind wir uns mal ehrlich, das Problem ist ja, dass man bei fremden Kindern weitaus größere Hemmungen hat, sie so … sagen wir mal „klar verständlich“ auf ihre Fehler hinzuweisen als bei den eigenen!

Mein Masterplan sah also so aus, dass ich einfach mit einem unfassbar lustigen Partyprogramm verhindern würde, dass eines der Kinder auch nur eine Minute Zeit hatte, sich Blödsinn auszudenken. Obwohl, sollte man die Kinder nicht lieber frei spielen lassen? Aber was war dann mit dem Topfklopfen??

Wieder einmal befragte ich meinen Freund Google – und musste feststellen, dass die Planung von Kindergeburtstagspartys wohl mittlerweile zur Wissenschaft geworden war. Anleitungen für ganze Mottopartys fand man da im Netz, penibel durchgeplant von der Piraten-Schnitzeljagd mit mehreren Aktivitäten-Stationen bis hin zum durchdesignten Mitbringsel-Sackerl für die Gäste. Und wieder dachte ich mir nur: Nein. Ich will nicht fünf Stunden darauf verwenden, eine Feuerspeiender-Drache-mit-Erdbeeraugen-Torte zu backen. Oder beim örtlichen Copyshop Riesenleinwände zum Dino-Dosenschießen auf A0 ausdrucken lassen.

Was ich wollte, war maximaler Kinderspaß mit minimalem Aufwand. Und eines kann ich euch gleich verraten: Letzten Endes bin ich dann doch die halbe Nacht vorm großen Event in der Küche gestanden, habe Dino-Salzteigeier zusammengematscht und Kuchen gebacken, das Wohnzimmer dekoriert und meine gute Salatschüssel in Sicherheit gebracht. Bevor die Feier überhaupt angefangen hatte, war ich fertig mit der Welt und freute mich nur noch auf den Moment, wo ich mir ein wohlverdientes Glas Hätten-wir-das-auch-geschafft-Sekt einschenken durfte.

Davor stand mir allerdings noch ein ganzer Nachmittag Wahnsinn ins Haus. Und ja, gewissermaßen war es genau so, wie ich es mir in meinen schlaflosen Nächten vorgestellt hatte. Es wurde gebrüllt und getrampelt, gezankt und gekleckert. Aber: Es wurde auch gelacht und gequietscht, laut und falsch „Happy birthday“ gesungen und Schwedenbomben um die Wette gegessen (übrigens mit 0,5 Sekunden Gesamtdauer das zeiteffizienteste Spiel der Welt) – genau so, wie es bei einem klassischen Kindergeburtstag sein sollte.

Insgeheim wünsche ich mir zwar trotzdem, dass Noah nächstes Jahr ganz unbedingt im Zoo feiern möchte, aber immerhin weiß ich jetzt: Kindergeburtstag, können wir! Und: Nächstes Mal kauf ich vorher Ohropax …

Mittwoch, 16. Mai 2018

Das Quetschi-Dilemma

Es gibt ein paar Kinderprodukte, für die ich eine glühende Hass-Liebe empfinde. Eigentlich wären sie dazu da, den Alltag mit den kleinen Despoten zu erleichtern. Zumindest bei uns haben sie aber leider oft genau den gegenteiligen Effekt. Nicht immer, denn dann könnte man ja einfach sagen: Gibt’s nicht und aus. Nein, das Problem ist etwas kniffliger! Manchmal sind diese Dinge kleine Lebensretter, das nächste Mal Auslöser allergrößter Dramen. Was es diesmal wird? Weiß man vorher leider nicht. Ich nenne es: das Quetschi-Dilemma.

Das Quetschi
Fangen wir doch gleich mit dem Namensgeber meines Dilemmas an. Ohne genau zu wissen, was ich damit meine, beschleicht einige Mamas jetzt wahrscheinlich schon eine leise Vorahnung. Erinnert euch doch mal an das letzte Mal, als ihr eurem kleinen Schatz ein Quetschi in die Hand gedrückt habt… na? Genau! Aber halt, zuerst mal für alle Supermütter, die vielleicht gar nicht wissen, was ein „Quetschi“ ist. Die meisten Kinder, die nicht rein auf Basis von Biokarotten und Kohlrabi-Sticks großgezogen werden, verstehen darunter die kleinen Beutel mit Obstpüree, die man eben zusammenquetscht, damit oben das süße Zeug rauskommt.

Mehr als ein Mal haben die kleinen Dinger mir ein riesengroßes Drama erspart. Im Supermarkt, im Wartezimmer, auf der Kirchenbank während der Hochzeit der liebsten Kollegin – bevor die Situation zu eskalieren droht, schnell ein Quetschi in die Hand und die nächsten fünf Minuten ist das Kind selig.

Das Dilemma daran? Ich sage nur: „Eeeerst in den Mund, dann drücken!“ Hätte ich für jedes Mal in meinem Leben, wo ich diesen Satz gesagt habe, 50 Cent bekommen, wäre ich heute Millionärin. Angekommen ist er trotzdem nie. Unweigerlich werden auf halbem Weg zum Mund beide Fäustchen freudig um das Quetschi gepresst, dass die Maracuja-Fontäne oben nur so explodiert. Kind voll, Mama voll, Kirchenbank voll, Drama weil abwischen, Drama weil kein Quetschi mehr im Beutel…. ihr wisst, was ich meine.

Das Kinderwagerl
Viele Supermärkte bieten mittlerweile neben den normalen Einkaufswägen auch Miniaturversionen davon für Kinder an. Und versteht mich nicht falsch: Meine Kinder lieben es! Bereits auf der Hinfahrt ist das einzige Gesprächsthema, ob es dort, wo wir hinfahren, auch ein Kinderwagerl gibt. Was meine Kinder nicht wissen: Oft fahre ich absichtlich lieber zum einzigen Supermarkt in der Umgebung ohne solche Wagerl. Besonders seit ich zwei von den Zwergen haben, bricht mir sonst mit dem Kinderwagerl regelmäßig der Schweiß aus. Abgesehen davon, dass der Kleinere sofort einen hysterischen Heulkrampf bekommt, weil er noch zu klein für so ein tolles Gefährt ist und stattdessen voll fad bei Mama im großen Einkaufswagen sitzen muss, beginnt bereits nach geschätzten 2,5 Metern der Spießrutenlauf mit dem stolzen Wagerlschieber.

Ich kann ihn noch so oft ermahnen, dass er damit aber brav sein muss – schwupps, schon düst er mit Vollgas mit seinem Racing-Wagerl durch die Obstabteilung, kracht abwechselnd gegen Salatkisten und Fersen von armen Mit-Einkäufern und nimmt johlend die Kurve in die Weinabteilung, in der schon gefährlich die ersten Flaschen wackeln.

Währenddessen versuche ich, dem entlaufenen Kind mit dem großen Einkaufswagen nachzurennen und dabei links und rechts wenigstens ein paar Dinge in den Wagen zu werfen, wegen denen ich eigentlich in den Supermarkt gekommen bin. Habe ich dann schimpfend wie ein Rohrspatz das große Kind erreicht, erklärt mir dieses, dass es jetzt sowieso kein Wagerl mehr haben will und ich darf den Rest des Einkaufs lang versuchen, mit jeder Hand jeweils einen Wagen durch die Gänge zu bugsieren, während beide Kinder sich neben mir alles aus den Regalen greifen, was zu teuer, ungesund oder verboten ist.


Das Bällebad
Quasi der Walk of Shame der modernen Mutter. Erst denkt man sich: Ach schau, wie nett ist das denn? Ein gratis Bällebad direkt hier im Einkaufszentrum mit einer Bank daneben, auf die ich mich jetzt echt gern setzen würde! Zack, schon sind dem Kind die Schuhe ausgezogen und es wird mit Untertassengroßen Augen ins Bällebad entlassen.

Und tatsächlich: Ganz plötzlich ist alles so, wie man es sich gerade noch beim kräftezehrenden Lebensmitteleinkauf gewünscht hat. Die Kinder toben lachend und juchzend mit anderen durch das Bällebad, die bunten Kugeln wirbeln herum, man selber sitzt bestimmt schon fünf – nein zehn, jetzt werden es schon zwanzig! – Minuten auf der Bank und tut einfach gar nichts, außer ab und zu ein Handyfoto von den süßen Kleinen zu machen. Manchmal kann das Leben mit Kind so einfach sein!

Wenn es nach einer halben Stunde jedoch schön langsam auf Mittag zugeht oder man eigentlich schnell noch in die Apotheke wollte, beginnt das Problem. Erste Warnung für das Kind: „Schatzi, noch fünf Minuten und dann müssen wir fahren!“ Für die johlende Hupfdohle unter den bunten Bällen ist man komplett Luft. Fünf Minuten später: „Schatzi, jetzt müssen wir dann aber wirklich fahren, kommst du raus?“ Bestenfalls ignoriert einen das Kind weiter, schlimmstenfalls beginnt es bereits jetzt, sirenenmäßig zu heulen. Obwohl man eigentlich schon vor fünf Minuten beim Kinderarzt, der Schwiegermutter oder der Post sein wollte, lenkt man schnell ein – immerhin schauen jetzt schon alle anderen Mamas her. „Na gut, aber wirklich nur noch fünf Minuten!“ 

Selbstverständlich weigert sich das Kind auch nach weiteren fünf, zehn und auch fünfzehn Minuten vehement, das Bälleparadies jemals wieder zu verlassen. Und weil jetzt wirklich langsam der Hut brennt, lässt man als Mama auch noch den letzten Krümel Würde sausen, schwingt sich gemeinsam mit 3.000 quietschenden Kleinkindern in das viel zu kleine Bällebad und schleift sein brüllendes, hysterisch um sich schlagendes Kind vor den tadelnden Augen aller anderen Mütter (denen es in fünf Minuten genau gleich ergehen wird) aus dem Spaßparadies. Schweißgebadet packt man den tobenden Spross endlich in den Buggy und greift erleichtert in die Tasche – Gott sei Dank: noch ein Quetschi da…!

Winter ade, scheiden tut nicht weh

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr mir dieser Winter gestohlen bleiben kann! Zugegeben, ein richtiger Winterfan war ich noch nie. Ja sicher, wenn es zu Weihnachten weiße Flöckchen rieselt und der Pulverschnee auf den Wiesen glitzert, finde ich das auch schön.

Aber ganz ehrlich: Wenn mein Tag schon damit beginnt, dass ich beim ersten Schritt aus der Haustür halb auf einer Eisplatte ausrutsche, mir der graue Matsch oben in die Stiefel rinnt und ich mir beim Autoabscheren mit meinem Werbegeschenk-Eiskratzer das Kreuz verreiße, kann ich all dem nichts mehr abgewinnen.

Und seit ich Kinder habe, bin ich vom Winter-Nicht-Haben-Müsser zum absoluten Winterhasser mutiert. Ich weiß, das darf man ja eigentlich gar nicht laut sagen. Man kann im Winter doch so viele tolle Sachen mit den Kids machen! Rodeln! Skifahren! Iglu bauen! Und ja, ich hatte mir früher auch vorgestellt, wie schön so ein Winter mit kleinen Zwergen sein müsste. Mit roten Apfelbäckchen sah ich uns gemeinsam durch den Schnee toben, mannshohe Schneemänner bauen und den Schneeflocken hinterherjagen.

Die Realität sieht bei uns aber leider so aus, dass meistens mindestens zwei von drei Beteiligten die Nerven schon weggeschmissen haben, bevor wir überhaupt das Haus verlassen. Ich hätte es ehrlich nie für möglich gehalten, was für schweißtreibende Arbeit es bedeutet, einen 1-Jährigen, einen 3-Jährigen und sich selbst in passende Winterkleidung zu quetschen. Wo fängt man dabei überhaupt an?? Zuerst sich selbst verpacken, damit man nur noch die Haustüre aufreißen muss, wenn beide Kinder endlich fertig sind – und dafür wie ein Michelin-Männchen daran scheitern, die Kleinen in die Handschuhe zu bugsieren? Oder zuerst die Kinder anziehen, die dann weinend darauf warten müssen, bis auch Mama endlich den Knopf von der alten Skihose zubekommen hat?

Egal, für welche Variante ich mich entscheide – ich bin regelmäßig schweißgebadet, wenn ich eine gefühlte Stunde später endlich beide Kinder in Skihose, Skijacke, Stiefel, Schal, Handschuhe und Mütze gepackt habe. Irgendwie hat das ganze Szenario ein bisschen was von Schokolade-Schneiden am Kindergeburtstag: Während man den einen anzieht, zieht sich der andere schon wieder die Eisbärenhaube vom Kopf und hat man selber endlich das letzte Teil des wenig schmeichelhaften Schnee-Outfits übergeworfen, würfelt auch schon jemand einen Sechser – bzw. pfeffert in unserem Szenario in die Windel und alle Beteiligten können sich wieder ausziehen…

Draußen will sich der Spaß dann auch nur tröpfchenweise einstellen. Juhu, ein Schneehaufen! Patsch, der 1-Jährige fällt dank der nicht vorhandenen Flexibilität seines gigantischen Astronauten-Skianzugs Gesicht voran hinein und fängt bitterlich zu weinen an. Die Schneeschaufel kann er wegen der klobigen Handschuhe nicht greifen – Heulkrampf Nummer 216. Dem Großen rutscht inzwischen zum 100. Mal die Schneehose das Wadl rauf und eine regelrechte Lawine ergießt sich von oben in seine Stiefel. Dazwischen ziehe ich mir im Minutentakt die eigenen Handschuhe an und wieder aus, um abwechselnd jeweils einem Kind die verdammten Fäustlinge wieder anzuziehen, die sie bei jeder Bewegung verlieren.

Nach gefühlten Stunden, die auf der Uhr in Wahrheit nur 20-30 Minuten waren, geben wir auf und flüchten nach drinnen zu einer Tasse heißem Kakao. Die Skiklamotten zum Trocknen aufzuhängen und den Boden von den mit nach drinnen getragenen Schneepfützen zu säubern, dauert eindeutig länger als unser ganzer lustiger Schneeausflug…

Was mir an diesem Winter aber so richtig, richtig gestohlen bleiben kann, sind die Killerviren, die er uns dieses Jahr beschert hat. Seit das Thermometer zum ersten Mal die 10-Grad-Marke unterschritten hat, ist immer mindestens einer von uns krank. Andauernd. Immer. Kaum ist der eine wieder fit, fängt der nächste an, zu husten – und bei jeder 3. Runde machen alle anderen auch noch mit.

Ich spare mir jetzt die Beschreibung der Szenen, die sich abspielen, wenn alle vier Familienmitglieder gleichzeitig krank sind – jeder, der es schon mal erlebt hat, weiß, wie knapp man an einem Nervenzusammenbruch vorbeischlittert…

Es ist aber auch schon schlimm genug, wenn nur die Kinder krank sind. Als Mama wechselt man den ganzen Tag zwischen Wärmflaschen-Tröster und Super-Animateur, ist dabei von oben bis unten in Kinderrotz geduscht, und rotiert nachts zwischen zwei Betten mit bitterlich weinenden Fieberzwergen.

Das Schlimmste daran ist die absolute Hilflosigkeit, die man dabei empfindet. Egal wie viele feuchte Tücher man im Kinderzimmer aufhängt, wie hoch man den Kinderpolster noch drapiert, gleichgültig wie viele Salven Nasenspray und Kinderschmerzmittel man den Kleinen reinpfeift – in Wahrheit dauert die Erkältung eben so lange, wie eine Erkältung dauert.

Ist es keine Erkältung, sondern für ein bisschen extra Spaß sogar noch eine Mittelohrentzündung, Angina oder – Jackpot! – die echte Grippe, kann man sich sicher sein, dass diese genau dann den „Also jetzt müssen wir aber wirklich doch zum Arzt!“-Punkt erreicht, wenn der letzte Kinderarzt für diese Woche seine Pforten geschlossen hat. Dann heißt es wieder mal: Auf zum lustigen Wochenendausflug in die Kinderambulanz! Was kann es an einem Samstagabend schließlich Schöneres geben, als drei Stunden im Wartebereich zu verbringen, nur damit anschließend ein gefühlt 12-jähriger Assistenzarzt neben einem erst zu googeln anfängt, welches Antibiotikum man Kindern überhaupt so geben darf?

Ich weiß, dass es diesen Winter vielen ähnlich gegangen ist. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Mamas nur zwei Stunden Schlaf pro Nacht bekommen haben, weil sie dem kranken Kind stattdessen nasse Waschlappen auf die heiße Stirn gedrückt haben. Wie viele Papas in den letzten Monaten mit ihren Kindern ein wahres Wrestling-Match aufgeführt haben, um ihnen zumindest einen Milliliter Antibiotikum in das bombenfest zugepresste Mündchen zu drücken. Deshalb lasst uns jetzt doch bitte einfach alle gemeinsam einen Wunsch ins Universum schicken: Frühling, schwing gefälligst deinen Arsch hier her, aber ein bisschen pronto!